Wertschätzung durch Schock?

Wertschätzung durch Schock?

Alle die sich mit dem Thema nachhaltige und ethische Mode beschäftigen kennen sie. Die Schockbilder mit denen gearbeitet wird, um auf die Missstände aufmerksam zu machen.

schockbilder
1. Fabrik nach Arbeitsschluss 2. Rupfen von Angora Kaninchen 3. Verletzte des Rana Plaza Unglücks (source: Fast Fashion Ausstellung Hamburg REA)

Wenn es um ein so globales und dramatisches Thema wie die Fehltritte der Modeindustrie geht ist es elementar den Konsumenten aufzuklären, um ihm die Möglichkeit zu geben, auf Grund von Faktenwissen seine Kaufentscheidungen treffen zu können.

Allerdings ist es mindestens genauso wichtig Alternativen aufzuzeigen; Raum und Entwicklungspotenziale für positive Beispiele zu schaffen. Falls dieser Teil, wie leider viel zu oft, fehlt, bin ich mir nicht sicher, ob man wirklich mehr Wertschätzung für Ressourcen, Arbeit und Bekleidung schafft, oder den Konsumenten nur vor den Kopf stößt und schockt. Wenn man den Konsumenten nämlich mit derart harten, anklagenden Bildern niederschmettert, ohne ihm einen Ausweg zu geben, führt das eher zu Ablehnung, Abstumpfung und Apathie, als zu dem aufgeklärten, ethischen Käufer, der eigentlich den Umbruch bringen könnte.

Genau dieser Wille und diese Motivation steckt hinter dem Online-Journal „aethic“. Wir glauben nicht daran, dass die Wertschätzung für Bekleidung und Handwerk steigt, indem man den Konsumenten durch Schockbilder der Verzweiflung nahe bringt. Grundlegende Aufklärungsarbeit zu leisten, ohne den interessierten Leser vor den Kopf zu stoßen, sondern vielmehr die positiven Seiten der Bekleidungsmode, mit allen ihren Eigenheiten, in den Vordergrund zu stellen, ist unser erklärtes Ziel.

Wir wollen die Wertschätzung für Mode steigern, denn sie ist mehr als ein kurzlebiges Konsumgut; sie ist ein essenzieller Teil unserer Gesellschaft:

Wer sie zu lesen verstünde, der wüsste im voraus nicht nur um neue Strömungen der Kunst, sondern um neue Gesetzbücher, Kriege und Revolutionen.  – Zweifellos liegt hierin der höchste Reiz der Mode, aber auch die Schwierigkeit, ihn fruchtbar zu machen.

Walter Benjamin