Fashionparadox and Neoliberalism

Fashion is full of paradoxes and certainly one of the most profound is how we try to express individuality using only ready-made objects whose meanings are created outside of ourselves.

Otto von Busch, 2008

Mit unserer Bekleidung wollen wir Individualität ausdrücken, jedoch nutzen wir als Ausdrucksmittel fertige Ware, die wir nicht weiter verändern. Nur durch die Zusammenstellung findet im kleinen Rahmen eine Aneignung und ein  individueller Moment statt. Otto von Busch sieht in diesem Umstand eines der größten Paradoxa der Mode.

Allerdings lässt er außer Acht, dass wir durch Kleidung auch Gruppenzugehörigkeit kommunizieren. Durch die Wahl von bestimmten Formen, Marken und Farben zeigen wir nach außen, in welches gesellschaftliche Milieu wir gehören (wollen). Aus dieser Sichtweise scheint es nahezu logisch, dass man ein Fertigprodukt, aus einer Fülle von Angeboten, wählt, um bestimmte, wiedererkennbare Codes zu erzeugen. Mit Hilfe dieser vestimentären Zeichen ordnet und gliedert sich die komplexe Gesellschaft und macht das alltägliche Zusammenleben einfacher.

Wenn man den Gedanken „Durch das was du trägst, zeigst du wer du bist“ jedoch weiter denkt, findet gerade im neoliberalen Wirtschaftssystem eine bedenkliche Entwicklung statt. Kleidung ist in den Industrienationen kaum mehr, als ein billiges, kurzlebiges Konsumgut, das, überspitzt formuliert, zum Wegwerfen gekauft wird.
Wenn man dieses Verhalten, das fehlende Wertschätzung zeigt, nun als Aussage überträgt, würde das bedeuten, dass wir uns als nicht liebenswürdig und kurzlebig erachteten. Für eine Gesellschaft heißt das, Menschen und Produkte haben keinen intrinsischen Wert mehr, sondern sind nunmehr reine Ware. Im neoliberalen Wirtschaftssystem wuchert diese Auffassung in großen Bereichen, während nicht vordergründig wirtschaftlich orientierte Gebiete es immer schwerer haben, auf einem guten Niveau weiter arbeiten zu können. Durch die Globalisierung und Technisierung ist die Welt immer schneller und anonymer geworden. Produkte, sowie Menschen, werden durch die Fülle und die Schnelllebigkeit immer weniger wert geschätzt. In Bangladesch erlebt man es jeden Tag. So drastisch es sich anhört, aber: Menschen werden dort wie Arbeitsmaterial behandelt. Wenn dort eine Arbeiterin an Erschöpfung stirbt, kommt am nächsten Tag eine neue.

Mit jedem Kleidungsstück, das unter diesen schlechten Bedingungen produziert wurde, unterstützt man ein System, für das Menschen nur Arbeitsmaterial sind. Wenn man es ernst nähme, dass Menschen über ihre Bekleidung kommunizieren, wie sie die Welt sehen und gesehen werden wollen, drückten Konsumenten der Billigkleidung aus, dass Ressourcen und Menschen für sie nur Wegwerfware sind.

Aber wie kann sich ein solches System überhaupt entstehen und sich halten?

Vor allem seit den 70ern hat sich die Liberalisierung der Märkte und die Technisierung nahezu saltatorisch entwickelt. Politik und Gesellschaft arbeiten langsamer und sind, denke ich, dadurch der Entwicklung nicht mehr ganz Herr. Politisch gegen ausbeuterische Betriebe vorzugehen traut man sich kaum, da sie eine zu große Machtstellung erhalten haben, während man von der Durchschnittsbevölkerung wohl nur bedingt fordern kann, alles bis aufs letzte Detail zu hinterfragen. Oft sind die Informationen schwer zugänglich und Fachwissen ist vonnöten, um Hintergrundwissen, zu Produktion und Herstellung, richtig einordnen zu können.
Allerdings gibt es Experten, die ihr Wissen über nachhaltige und ethische Herstellung von Kleidung preisgeben und ordentlich arbeitende Labels vorstellen, um dem Konsumenten eine Entscheidungsmöglichkeit zu bieten. Vivienne Westwood sagte einmal: „We can only be saved by public opinion.“ Leider hat sie damit wohl recht, da von der Politik keine große Unterstützung zu erwarten ist.

In dem Sinne hoffen wir denjenigen eine Hilfe sein zu können, die ethischer Einkaufen wollen und sich nach einer gerechteren Welt und Wirtschaft sehnen.