Fragwürdige Trends – von Pelzbommeln, Jeans-Knie-Schlitzen & Haargummi-Spiralen

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Abgesehen davon, dass das oft undifferenzierte Nacheifern kurzlebiger Trends schon an sich fragwürdig ist, gibt es sogar neue Moden, die mir in ihrer Absurdität Anlass geben, über ihre Sinnhaftigkeit zu sinnieren.

Zu diesen Trends also gehört diesen nahenden Winter zum Beispiel die Pelzbommel an Strickmützen… In allen Farben, aber meist schwarz gestrickt mit möglichst großer, flauschiger, in Brauntönen abgestufter Fellbommel, springt sie mir derzeit auf meinen Fahrten quer durch Berlin regelmäßig ins Auge.
Und auch wenn dieses fellige Knäuel von einigen Zeitgenossen als schöne Zierde auf ihrem Haupt wahrgenommen wird, und selbst wenn es bei einigen Exemplaren ’nur‘ aus Kunstfell besteht, finde ich es persönlich dennoch moralisch bedenklich, solche als Haut & Haare von Tieren erkennbaren Objekte so ziemlich nutzlos nur für dekorative Zwecke einzusetzen – sie wärmen den Kopf wohl kaum. Dazu kommt, dass sie als moderne Massenware hochzahlig verschleudert werden, und im Falle von echtem Fell, natürlich auf Kosten der Tiere, die in der Industrielandschaft sicher keine artgerechte Haltung genießen durften.

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Ein anderer Hype hat sich um das Schlitzen von Jeanshosen auf Höhe der Knie entwickelt – und damit sind Knieschlitze wohlbemerkt an meist neuen Jeans gemeint, die man bei Primark sogar fertig geschlitzt kaufen kann. Es geht hierbei also nicht um abgetragene Denimfabrikate und auch nicht um den allseits beliebten industriell produzierten Used-Jeans-Look, der bereits wegen der Sandstrahlentechnik seit jeher für Aufruhr sorgte. Das war zwar auch vorher immer wieder cool, aber diesmal hat es den Mainstream total erreicht, in Form von akuraten Schnitten auf schwarzen oder unausgeblichen-andersfarbigen Röhrenjeans. Einigen Leuten fällt dieser Unterschied nicht auf. Da ich selbst seit Teenager-Tagen mit Vorliebe meine alten Jeans trage, egal ob der Stoff einseitig oder beidseitig bereits an Stelle der Knie durchs Beugen aufgerissen ist und ich mir nichts daraus mache, es vielmehr als Teil meines non-konformen Stils würdige, kann ich mich beim Anblick der trendigen Knieschlitze über derart unauthentische neu-kaputte Massenproduktion wirklich wundern.
Zur Einordnung dieses Phänomens in der Stilgeschichte, ist das Aufblitzen von Knien im Gegensatz zu alten Zeiten damit endgültig kommerziell sexy. Und auch die originelle Schlitzmode der Renaissance erinnert daran, trat dennoch vielfältiger, bedeutungsgeladener und längerfristiger in Erscheinung.

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Zu guter Letzt hält sich schon länger das Mysterium der spiral-förmigen Haargummis aus Kunststoff oder vielleicht besser bekannt als Plastikspiralen… Ich kenne ihren Namen nicht. Aber sicher sind sie günstig in allen Farben zu kaufen. Die Transparenten unter ihnen gaukeln Unsichtbarkeit vor und vielleicht sind sie tatsächlich angenehm zu tragen und flexibel einsetzbar. Ich allerdings sehe regelmäßig Telefonkabel an glatten Haaren hinab rutschen und frage mich mal wieder, ob es nötig ist, so dermaßen viele kleine Plastikdingelchen in die Welt zu setzen – sie ist aktuell echt schon mit nicht-abbaubarem Müll überfüllt genug, oder? Gleichzeitig wäre es interessant zu erfahren, ob es überhaupt Zopfgummis gibt, die nicht aus künstlichen Materialien wie Polyamid und Elasthan gefertigt sind und die trotzdem strapazierfähig sind? Da wäre doch mal eine echte Innovation angebracht?

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Illustration: Maria Koch
Photos: UTA