Mode neu erfinden, anstatt umzudenken?

Mode neu erfinden, anstatt umzudenken?
EIN TEXT VON ALISA HAGER ZUR ‚FASHION RELOADED‘ KONFERENZ VON ZEIT MAGAZIN & VOGUE DEUTSCHLAND

 

Auch dieses Jahr wurden bei der Berliner Fashion Week Themen zur Nachhaltigkeit elegant mit Fragen zur Kreativität überspielt. Zwei Gesprächsthemen gaben am Montag, den 18.01.2016, der Konferenz von ZEITmagazin und VOGUE ihren Rahmen: “Warum wir kreativ wie nie sein müssen” und “The Reinvention of Style”. Das Spielerische wird immer attraktiver sein als das Diskutieren realer Gegebenheiten. Denn das Bewusststein unterliegt dabei der Verführung der Sinne und muss sich dem Prozess, der Aktivierung der eigenen Sinne und Gedanken, nicht weiter unterziehen. Dabei wäre der Titel auch von passender Tragweite für die Kreatitivtät neuer Gedankenspiele hinsichtlich des Umdenkens in der Modeökonomie gewesen. Was hält uns von dieser Konfrontation ab? Ist es das gesellschaftliche Drama der inneren Erblindung der Sehenden?

Das Publikum wurde durch eine Konferenz geführt, die sich zur Aufgabe gemacht hat, den Blick auf die Kreativität des Designers zu richten, seine Vorbildrolle wurde ausgeschmückt, indem persönliche Erfolgsgeschichten einen Leitfaden durch die Konferenz bildeten und der weitere Blick auf die Umstände und Möglichkeiten für die Zusammenarbeit in Sachen Nachhaltigkeit aus dem Blickfeld der Aufmerksamkeit gerückt war.

Ist jedoch nicht beides entscheidend? Nur im Zusammenführen dieser tatsächlichen Vielseitigkeit an Themen kann sich ein gesamtheitliches Bild unserer Modewelt abzeichnen lassen. Der Prozess zur Aufklärung unserer heutigen Lage in der Modeindustrie erfordert Transparenz. Ein klarer Blick hin zum Kern ist entscheidend, auch wenn er ungemütlich erscheinen mag.
Das Wecken und die Förderung der Kreativtität des Individuums ist wichtiger und essentieller Bestandteil unserer Entwicklung, doch dieser kann erst dann zur Blüte gebracht werden, wenn er sich auf gesundem und fruchtbarem Boden ansiedeln kann.

Es lag ein Hauch von Kaffeekränzchen unter Gleichgesinnten in der Luft und lud den Zuschauer für kurze Zeit dazu ein, sich unter dessen Glanz beherbergt zu fühlen und in dessen Lachrhythmus mit einzustimmen.

Christiane Arp (Chefredakteurin, VOGUE) ist eine Förderin des kreativen Potentials in Deutschland. Jeder ihrer Gäste bekam die Möglichkeit sich in einem angenehmen Licht zu präsentieren, geschützt durch einen kultivierten Gürtel, den die Gastgeber der Konferenz umgelegt hatten. Allein Wana Limar (Redakteurin und Moderatorin, MTV Style), brach für einen kurzen Moment den eingestimmten Modus, indem sie mit erfrischend naiven und ehrlichen Worten ihre ersten Eindrücke schilderte, die sie von der Modewelt hatte, als sie diese betrat. Inzwischen scheint sie sich mit dieser von ihr als teilweise depressiv wahrgenommenen Welt zu arrangieren.

Mit dem Fazit der Konferenz, wir sollen doch wieder mehr lachen, anstatt so ernst dreinzuschauen, verlasse ich die Konferenz und wünsche mir für die Kommende eine Dynamik, die einen Raum für wirkungsvollen und progressiven Austausch eröffnet.

 

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> Konferenz von ZEITmagazin und VOGUE im Juli 2015 zuvor zum Thema: Fashion Fast Forward