MESTIC – Vom Stall in den Schrank

MESTIC – Vom Stall in den Schrank

Neuigkeiten in Sachen nachhaltige Textilien: ein weiteres Mal kommt eine textile Neuerung aus den Niederlanden. Jalila Essaïdi, Designerin und „Bio-Künstlerin“ mit einem Hintergrund in Biotechnologien hat Mestic® entwickelt, eine Faser, die nach dem gleichen Prinzip wie Viskose hergestellt wird – eine regenerative Zellulosefaser.

Jalila Essaidi 10 - Photo by Mike RoelofsIm Unterschied zu anderen Fasern dieser Art, deren Zellulose zum Beispiel aus Bambus oder schnellwachsendem Holz wie Eukalyptus gewonnen wird, entsteht Mestic® aus einem Überschussprodukt der industriellen Landwirtschaft – aus Kuhdung.¹

Kleiner Exkurs: Das ist vielleicht gerade kein so präsentes Thema, und ein etwas überraschendes für ein Mode-Onlinemagazin, doch der Gülleüberschuss der konventionellen Landwirtschaft ist tatsächlich ein großes Problem. Einfach gesagt, gibt es mehr Kuh-Dung als Flächen, die damit gedüngt werden können/sollen/dürfen, mit dem Resultat, dass Stoffe wie Nitrat und Phosphat Böden und Grundwasser belasten, zum Teil weit über gesetzliche Grenzen hinaus. Die Dosis macht das Gift, und zuviel des Düngemittels, namentlich verschiedene Stickstoffverbindungen, verringern Diversität, können Gewässer kippen lassen und tragen außerdem zum Treibhauseffekt bei.

Eine wirklich komplexes Thema also, und eines, das uns alle betrifft.

At Mestic®, we believe that we humans have borrowed the earth. We feel responsible to pass on an improved version the earth for the generation to come. Our firm belief has led us to a revolutionary solution to the manure problem, worldwide. By approaching the manure problem from a different angle, we are the first and only company in the world, with our patented method to directly convert animal manure waste into new materials such as bio- textiles, plastic and paper. Ready for processing into new truly sustainable products.

Jalila Essaidi 8 - Photo by Mike Roelofs-2Jalila Essaidi 5 - Photo by Cleo GoossensELFs EINDRUCK

DesignerInnen im Bereich nachhaltige Mode sind ständig auf der Suche nach Materialen, die ethische Ansprüche erfüllen, aber auch ästhetisch und im Tragegefühl überzeugen. Regenerative Zellulosefasern bieten je nach Verarbeitung eine große Bandbreite an Möglichkeiten. Was hier mitunter fehlt, ist Transparenz darüber, welche natürlichen Ressourcen genutzt werden, um die Zellulose zu erhalten. Hier glänzt Mestic® – es ist ganz klar, was hier verarbeitet wird, mit dem Plus, dass auch noch ein problematisches Nebenprodukt verbraucht und nicht auf andere „neue“ Ressourcen zurückgegriffen wird. Die Faser hat auch die Chance, wirklich kreislauffähig zu sein.

Die andere Frage bei dieser Technologie ist die nach Wasserbelastung und den benötigten Lösungsmitteln, um aus dem festen Ausgangsprodukt eine ausspinnbare Masse zu machen. Da scheint Mestic® auch eine elegante Methode entwickelt zu haben: Durch Fermentation einiger Bestandteile des Dungs werden die Stoffe gewonnen, die dafür nötig sind.
Ich bin auf jeden Fall gespannt, was sich daraus noch entwickeln wird, und denke, der Ansatz hat großes Potenzial.

¹Von industrieller Tierhaltung in Massen bin ich kein Fan, und verzichte persönlich auch auf ihre Erzeugnisse. Aber das ist ein anderes Thema… Tonnen von Gülle fallen auf jeden Fall trotzdem regelmäßig an, insofern finde ich den neuen Ansatz, mit ihr umzugehen, wichtig. (Ein anderer Ansatz ist übrigens, Gülle zur Energiegewinnung einzusetzen.)

BILDQUELLE: Cleo Goossens & Mike Roelofs/Mestic®   PRESSETEXT: mestic.eu