Unsere zweite Haut: Mode und Individualität

Unsere zweite Haut: Mode und Individualität

Das Thema ‚Mode und Individualiät‘ im ARD-Programm – über persönlichen Style, das Spiel mit den Identitäten, alte und neue Sehnsüchte nach Einzigartigkeit oder Normalität – genauso wie die Angst davor; über gesellschaftliches Drängen, Blogging, Möglichkeiten der Kleiderleihe und des Selbermachens, 60er, 70er, Punk (und wie die Revolution ihre Kinder fraß), über Upcycling, das Trickle-Down/ Trickle-Up-Prinzip und den „Bedeutungsverlust durch Massenproduktion“. Der Konsument wird auch immer mehr zum Produzenten von Mode. Mit Kommentaren aus der Wissenschaft:

Kunst- und Modehistorikerin Dr. Gundula Wolter: „Die Modeindustrie hat ihre eigene Schwäche eigentlich erkannt. Die Massenware wird tatsächlich nicht mehr annähernd so geschätzt und insofern versucht sie, diesem Trend des Persönlichen, des Individuellen nachzueifern, indem sie ihre Produkte einmal mit Geschichte besetzt und zum anderen mit Gebrauchsspuren individualisiert, also pseudo-individualisiert. (…) Dann wird es eben unglaubwürdig und irgendwo auch lächerlich. Deswegen sind da zwei Schienen, einmal Do-It-Yourself und einmal die Nachahmung in der Modeindustrie.“

Prof. Oliver MacConnell (Modemanagement, bbw Hochschule Berlin): „Es ist einfach schön zu sehen, wie die Jungunternehmer dieses Thema ‚Individualisierung‘ aufgreifen, weil sie es auch in ihrem Verständnis von Nachhaltigkeit – weil sie diese beiden Aspekte – zusammen bringen. Zum Beispiel ein Second-Hand-Laden oder beim Kleidertausch ist es natürlich ein verantwortungsvoller Umgang mit dem Rohstoff, der in dieser Kleidung verwendet wird. Ich finde allerdings den Aspekt bei der Individualisierung am spannendsten, das er wirlich jedem Individuum erlaubt, die Nachrichten über seine Befindlichkeiten nach außen zu senden, die er auch wirklich nach außen lassen will.“

Kultur- und Literaturwissenschaftlerin Prof. Dr. Dr. Barbara Vinken: „Man kann schon sagen, dass heute praktisch diese Formel ‚Abendkleid und Parka‘ zu einer Kurzformel für Mode geworden ist. Das heißt, dass wir in der Mode nicht mehr auf Harmonie, sondern auf Disharmonie setzen. Wir setzen darauf, dass Assoziationen zusammen kommen, die sich im Prinzip ausschließen. Also ein zartes Cocktailkleid mit einer eher militärisch-männlichen Jacke darüber. Das sind ja eigentlich zwei Gegenstandsbereiche, die sich in vollkommener Disharmonie befinden. Ich glaube, dass die Disharmonie immer ein ganz wichtiges Prinzip der Mode war, dass sie allerdings nie so dominant gewesen ist, wie das heutzutage ist.“

ard mediathek_unsere zweite haut_mode und individualität

Die Reportage ‚Mode und Individualität‘ (Regie: Kristina Förtsch, ARD alpha, Bayrischer Rundfunk 2015) ist Teil der Sendungsreihe ‚Unsere zweite Haut‘ und noch bis 01.01.2022 in der ARD-Mediathek verfügbar.

Das Titelbild zeigt eine Szene beim Besuch der Hamburger Kleiderei.com – Leihen statt Kaufen.