Wie können wir nachhaltige Mode sichtbarer machen?

Wie können wir nachhaltige Mode sichtbarer machen?

Gestern am 12. Januar 2017 gab es am HTW Campus eine Podiumsdiskussion zum Thema „Wie können wir nachhaltige Mode sichtbarer machen?“.

Auf dem Podest:
Helen Gimber, Clean Clothes Campaign
Kim Pöhland-Block, Freelance Modedesignerin, ehemals für H&M
Ellen Köhrer, Bloggerin und Co-Herausgeberin des Buchs „Fashion Made Fair“
Sonja Lotz, Möon Store – Sustainable Clothing

Ist nachhaltige Mode ein Nischenmarkt?

Köhrer: Ja, aber ein wachsender. Die Zielgruppe sind die Frauen ab 30, da die ihren Stil gefunden haben und für das richtige Kleidungsstück auch bereit sind mehr auszugeben.

Sonja v. Möon: Ja, aber sogar für die Interessierten ist es finanziell oft schwierig, da nachhaltige Mode teuer ist.

Gimber: Vor allem im Studium ist das Thema Nachhaltigkeit optional und wird nicht ausreichend unterrichtet. Oft sind es sogar die Studierenden, die das Thema überhaupt erst aufbringen. Da muss etwas getan werden.

Welche Definition habt ihr für nachhaltige Mode?

Köhrer: Am wichtigsten ist gutes Design zusammen mit umweltfreundlicher und fairer Herstellung. Aber generell empfinde ich das Wort „nachhaltige“ Mode als sperrig und negativ. Ich denke wir brauchen dafür ein neues Wort, oder eine andere Deutung. Wie wäre es beispielsweise, wenn man zu nachhaltiger Mode einfach Mode sagt und das andere „unnachhaltige“ Mode nennen würde. Öko-faires Handeln sollte schließlich der Standard und nicht die Ausnahme sein.

Sonja v. Möon: Wir bei Möon achten überhaupt nicht mehr auf Siegel oder so etwas. Im Mittelpunkt bei der Auswahl stehen gutes Design und die Kommunikation mit den Labels. Dir kann sowieso niemand sagen, woher beispielsweise der Knopf oder der Reißverschluss kommt.

Gimber: Ich habe eine Definition mitgebracht. Sie lautet: Nachhaltige Mode heißt minimale Nachteile für die Umwelt und maximale Vorteile für die Menschen. Und betonen möchte ich hier maximal. Es geht nicht darum es etwas besser zu machen als die Anderen, Stichwort Living Wages, sondern es wirklich so gut zu machen, wie man kann.

Kim v. H&M: Nachhaltige Mode geht um Bezahlung, Produktion und Müll. Aber wir haben ein Problem der Wertschätzung beim Kunden. Auch wenn wir von H&M ein nachhaltiges Shirt anbieten, kaufen die Kunden doch das günstigere. Aber ich will hier nicht den Konsumenten beschuldigen.

Wie schaffen wir es mehr Nachhaltigkeit in der Industrie zu realisieren?

Gimber: Die Regierungen müssen sich endlich einsetzen und Gesetze und Regelungen finden. Freiwilligkeit, wie beim Textilbündnis, reicht hier einfach nicht. Ein erster Schritt ist, dass KIK jetzt wegen eines Fabrikbrands in Pakistan verklagt wird. Falls das Unternehmen verurteilt wird, wäre das ein großer Schritt.

Sonja v. Möon: Mode ist weltweit die zweit schmutzigste Industrie. Wir müssen uns klar werden, dass bei billiger Mode irgendwer, irgendwo den Preis zahlt. Konsumenten und die Regierung müssen da beide etwas tun. (Auf Nachfrage) Ja, ich denke die H&M conscious collection ist Greenwashing.

Warum kaufen nicht mehr Konsumenten nachhaltige Mode?

Köhrer: Ich glaube wir brauchen mehr Aufklärung und Bildung und sollten hiermit in der Universität und in den Schulen beginnen.

Kim v. H&M: Nachhaltige Mode hat immer noch ein Image-Problem. Mode ist ein Lifestyle Produkt und sehr schnelllebig. Der Konsument ist hier mit billiger Massenware sehr verwöhnt. Ich glaube die Lösung muss aus der Technologie und neuen Materialien kommen, denn ich denke nicht, dass wir zu einem entschleunigten Konsum zurückkehren können.

Sonja v. Möon: Da müssen wir aber auch sehen, dass wir ein Ressourcen Problem haben. Es kann nicht mehr lange so weiter gehen. Die Preise werden von alleine steigen, wenn die Ressourcen knapper werden.

Wie können wir die Image Probleme lösen?

Köhrer: Ich denke, dass hier über Vorbilder und bekannte Personen viel passieren kann. Wenn sich jemand wie Emma Watson für nachhaltige Mode einsetzt, kann sie viele Menschen für das Thema begeistern und erreichen.

Aus dem Publikum:
– Ich denke es ist wichtig bei dir anzufangen und dann weiter zu gehen. Das ist authentisch und bringt dich persönlich weiter.
– Wichtiger werden die Geschichten, die in der Kleidung stecken. Inzwischen kann sich jeder, jeden Look kaufen. Emotionale Bindung und Geschichten kann man nicht einfach konsumieren und sind etwas Besonderes.
– Ich denke ein weiteres Problem ist, dass gerade kleine, sehr idealistische und nachhaltige Firmen oft eher ruhig sind und nicht so laut Marketing machen, geschweige denn ein großes Marketing Budget haben.

Insgesamt hat uns, REA und UTA, das Gespräch gut gefallen, auch wenn es eher um die Grundlagen nachhaltiger Mode, als um die eigentliche Frage, wie man nachhaltige Mode erreichbarer machen kann, ging. Uns hätte auf dem Podium eine Person aus dem Marketing, oder jemand der die Psychologie des Einkaufens näher betrachtet gut gefallen. Leider wurde auch, obwohl eine Vertreterin von GOTS vor Ort war, nicht näher darauf eingegangen, dass gewisse Siegel durchaus die gesamte Wertschöpfungskette im Blick haben. Hingegen wurde eher das Gefühl vermittelt, dass Siegel obsolet seien, da sowieso nicht durchschaubar. Ich vertrete aber nach wie vor die Ansicht, dass GOTS und IVN die textile Kette berücksichtigen und im möglichen Rahmen sehr gute Arbeit leisten.

Aber es sind viele wichtige Punkte, wie beispielsweise das Marketing, das Problem des Greenwashings und die Verantwortung von Konsument und Regierung angesprochen worden.
Die für mich interessantesten Punkte nochmal zusammen gefasst:

– Wichtiger werden die Geschichten, die in der Kleidung stecken. Inzwischen kann sich jeder, jeden Look kaufen. Emotionale Bindung und Geschichten kann man nicht einfach konsumieren und sind etwas Besonderes.

– Ich denke ein weiteres Problem ist, dass gerade kleine, sehr idealistische und nachhaltige Firmen oft eher ruhig sind und nicht so laut Marketing machen, geschweige denn ein großes Marketing Budget haben.

-Ich denke wir brauchen dafür ein neues Wort, oder eine andere Deutung. Wie wäre es beispielsweise, wenn man zu nachhaltiger Mode einfach Mode sagt und das andere „unnachhaltige“ Mode nennen würde. Öko-faires Handeln sollte schließlich der Standard und nicht die Ausnahme sein.