Update zum Textilbündnis 2017

Update zum Textilbündnis 2017

1 Jahr später und es gibt nicht viele nennenswerte Neuigkeiten im Prozess der Realisierung der Ziele des Bündnisses für nachhaltige Textilien. Aber Dr. Bernhard Felmberg setzte uns in seinem gestrigen Zwischenstandsbericht zur Ethical Fashion Week darüber in Kenntnis, man stehe kurz vor der entscheidenden Umsetzungsphase.

textilbündnis_frollein motte
Live-Graphic Recording / Visuelles Protokoll von Frollein Motte

Bis dato habe man in Zusammenarbeit mit dem BMZ (Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) immerhin schon 55 Prozent des deutschen Textil- und Bekleidungsmarktes gewinnen können. So sitzen knapp 190 Organisationen im Boot, mit dem man sich mutig, dennoch vorsichtig ins offene Meer begeben möchte, in der Hoffnung Neuland zu gewinnen. Die Gewässer sind tief, teils unergründlich und bergen einige Hindernisse. Das Textilbündnis sieht seine Aufgabe darin, die Big Player der Modeindustrie feinfühlig und mithilfe individueller Fahrpläne (‚Roadmaps‘) in eine nachhaltigere Zukunft der Bekleidungsproduktion zu führen, um damit schrittweise die gesamte komplexe Textil-Lieferkette zu verbessern.

Für das nächste Jahr sollen dafür die politischen Rahmenbedingungen weiterhin aktiv geschaffen und mitgestaltet werden – durch Kooperationen mit internationalen Organisationen und Partnerländern, im Zusammenwirken mit Wirtschaft und Zivilgesellschaft. Außerdem möchte man weitere Unternehmen, ganze 75% der Textilschaffenden gewinnen, mit denen man sich bis Ende Januar verpflichtend auf konkrete Ziele einigt, die in späteren Review Prozessen überprüft werden sollen. Diese Fortschritte (‚bei jeweils mindestens 14 Maßnahmen insgesamt 2000 Schritte‘) werden laut Felmberg dann auch nachvollziehbar messbar und transparent sein. Ab 2018 müssen alle Bündnismitglieder ihre jährlichen Maßnahmenpläne und -erfolge veröffentlichen.

textilbündnis_sophia schrade
Live-Graphic Recording / Visuelles Protokoll von Sophia Schrade

Auch die deutsche Bundesregierung hat sich im Zuge des Nachhaltigkeitsprogramms dazu verpflichtet, bis 2020 mindestens 50 Prozent der Textilien aus öffentlicher Beschaffung nachhaltig zu erwerben. Wie anspruchsvoll die Standards im Detail definiert sind, geht nicht so recht aus den Unterlagen des Textilbündnisses hervor. Es wird stets betont, dass man im internationalen Wettbewerb nicht schlechter dastehen möchte und Verantwortung ’sich nicht nur lohnen kann, sondern müsse‘.

Ähnlich profit-orientiert werden auch die proklamierten Zuschüsse des Textilbündnisses für Modeunternehmen verteilt, die nachhaltig produzieren. Immerhin 50% ihrer Ausgaben bzw. maximal 200.000 Euro können sie beantragen – allerdings nur, wenn ihr Business mit 10 Angestellten und 1 Million Euro Umsatz bereits floriert – junge FirmengründerInnen leider ausgeschlossen.

Wir können nur weiter gespannt sein, was das Textilbündnis konkret erreicht, mal abgesehen von all der so formulierten ‚erfolgsgekrönten‘ Vorarbeit, die bis hierhin kaum tief blicken lässt.

Weitere Infos sind im Heft ‚Gemeinsame Fortschritte im Textilsektor‘ des BMZ und in diesen Publikationen auf der Website des Textilbündnisses zu finden.