FAHION BODY CULT / MODE KÖRPER KULT

FAHION BODY CULT / MODE KÖRPER KULT

Da UTA jüngst in ihren Artikeln über Camouflage-Mode und die Definition ’nachhaltiger Mode‘ aus dem Buch ‚Fashion Body Cult‘ zitierte, nehmen wir es auch ganz offiziell in unsere Bibliothek auf.

Mode äußert sich in vielen Facetten, wie diese Publikation von Professoren und Studenten der Hochschule der Künste Bremen aufzeigt. Sie hält spannende neuzeitige Beiträge von Autoren unterschiedlicher künstlerischer und wissenschaftlicher Disziplinen zusammen – z.B. Valerie Steele, Elke Gaugele, Ingrid Loschek, Annelie Lütgens, José Teunissen, Elena Esposito. Es geht grob gefächert um den individuellen körperlichen Ausdruck; um die inszenierte, mediale Darstellung der Mode; um ihre soziale Oberfläche und Bedeutung; und auch um die Mode Performance seitens der Designer. Die einzelthematischen Einblicke in die Tiefe des kleidsamen Textilen geben Anlass zum Philosophieren und offenbaren die kommunikative Wirkung und Vielsprachigkeit unserer Bekleidungspraxis auf hohem Niveau.

Für modeinteressierte LeserInnen, die sich gedanklich auf verschiedenen Ebenen mitreißen lassen möchten. Auch zehn Jahre nach der Veröffentlichung noch hochaktuell.

Herausgeber: Elke Bippus, Dorothea Mink
Titel: Fashion Body Cult / Mode Körper Kult – Schriftenreihe 03, Hochschule für Künste Bremen
Verlag: Arnoldsche Art Publishers
Erscheinungsjahr: 2007
Sprache: Deutsch/Englisch
Schwerpunkte: Modetheorie, Kunst- und Kulturwissenschaft, Design, Kommunikation

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ZITATAUSZÜGE

Erste These: Mode kann ohne das Bild nicht existieren, erst durch das Bild wird die Mode Vorbild. (Adelheid Rasche, ‚Botschafterinnen der Mode‘)

Für mich ist eine gelungene Überraschung besser als eine perfekte Idee. Wer bin ich denn, zu entscheiden, ob etwas schön ist oder nicht? Ich habe nicht die geringste Ahnung, was schön oder hässlich ist. Für mich ist Unvoreingenommenheit wichtiger als Schönheit. Eine Frau kann ein Kleid vom Müll tragen und trotzdem fantastisch aussehen. Es hängt alles von den Umständen ab. (Bernhard Willhelm, ‚mehr Blumen…*‘)

Als im Laufe des 18. Jahrhunderts die kulturelle Vorherrschaft der Aristokratie von der nun entstehenden bürgerlichen Kultur abgelöst wird, kommt es zu einer Reihe entscheidender Verschiebungen. Nicht nur wird die öffentliche Theatralität, die eine gewisse Offenheit in Bezug auf geschlechtliche Identitäten zulässt, eingedämmt. Zusammen mit der hierarchischen Ständegesellschaft verschwindet auch deren Ordnungskraft, so dass sich nun alle auf demselben symbolischen Feld bewegen. Dies lässt sich nicht zuletzt am entstehenden modernen Konzept der Mode ablesen. Zumindest theoretisch können Individuen unabhängig von ihrer sozialen Herkunft die gleichen Kleider tragen – zum einen wegen der Auflösung der ständischen Kleiderordnungen, zum anderen aufgrund der neuen Massenproduktionstechnologien. Doch diese symbolische Demokratisierung bedeutet zugleich einem Verlust an Sicherheit. Da zusammen mit der Sichtbarkeit gesellschaftlicher Unterschiede auch ein Ordnungssystem verloren geht, entsteht die Notwendigkeit einer neuen Positionierung. (Barbara Straumann, ‚Aristokratische Kultkörper‘)

Die zunehmende soziale Kälte weckt Sehnsucht nach tiefen Gefühlen – eine Abkehr vom Oberflächlichen und eine Rückbesinnung auf traditionelle Werte macht sich bemerkbar. (…) Am einprägsamsten zeigt die Rückkehr der Farbe Schwarz in die Kollektionen den Stimmungswechsel an. Es ist kein kokettes Schwarz, das sich in Spitze hüllt, auch kein mondänes in Satin und schon gar nicht Coco Chanels ‚Kleines Schwarzes‘. Es ist ein mönchisches Schwarz, das um das Leben hinter Klostermauern weiß. Es ist schweigsam, würdevoll und düster. (Peter Bäldle, ‚Glaubenssachen‘)

In Anlehnung an das verfassungskonforme Grundrecht der Würde des Menschen ist und bleibt die intensive Beschäftigung mit dem menschlichen Ausdruck und der menschlichen Körperwahrnehmung das Ziel für die Mode. Diesem Ziel der sinnlich vermittelbaren Körperlichkeit sollte auch die künftige Entwicklung von intelligenter Kleidung unterstellt sein. (Dorothea Mink, ‚Mode: Die Sprache vom Ich‘)