Geld, Macht und die Ethik des Konsums

Geld, Macht und die Ethik des Konsums

Es gibt nicht nur ethische Mode – spätestens seit dem Einsturz des Rana Plaza Gebäudes 2013 – sondern auch ethische Banken – spätestens seit der internationalen Finanzkrise 2007/08. Aus aktuellem persönlichen Anlass, da ich mir kürzlich den wahrheitsgemäßen Hollywoodfilm ‚The Big Short‘ über die verheerenden weltwirtschaftlichen Folgen des damals spekulativ aufgeblähten Immobilienmarktes in den USA ansah und auf den Aufruf der amerikanischen Komikerin Sarah Silverman zum Bankwechsel #bankexit aufmerksam geworden bin, möchte ich das Thema von Geld und Macht kurz anreißen.

Viel zu oft fühlen wir uns hängen gelassen von der Regierung und hilflos gegenüber den verantwortungslosen Machenschaften der mächtigsten und reichsten Politiker und Großunternehmer in einem komplexen, international verwobenen kapitalistischen System, das von unvorstellbar großen Geldströmen geleitet wird, das schwer zu durchschauen ist und an dem schwer zu rütteln ist.

Geld ist Macht – so einfach ist das. Und Macht, die nicht kontrolliert wird, erzeugt Ohnmacht bei allen anderen. (Hans-Jürgen Krysmanski)¹

Politikverdrossenheit stellt sich ein, Bequemlichkeit und Fatalismus gesellen sich dazu. Wir suchen unser kleines Glück im großen Ganzen, fügen uns eher als uns aufwändig Informationen zu beschaffen und Alternativen heran zu ziehen. Deshalb wissen die wenigsten wie genau ihre Kleider hergestellt werden oder dass herkömmliche Banken täglich zweifelhafte Geschäfte mit unserem Geld machen. Es muss aber nicht sein, dass wir das Elend anderer Menschen, die Zerstörung unserer Umwelt und finanzwirtschaftliche Risiken finanzieren. Denn wir haben die Wahl, ob wir überhaupt ständig konsumieren müssen bzw. wen oder was wir mit unseren vielen kleinen Investitionen unterstützen. Es gibt zunehmend vielfältige ’saubere‘ Angebote, die zum Beispiel auf Utopia.de übersichtlich präsentiert werden, sodass sich Entscheidungsfreiheit einstellt und sich auch die Umstellung einfacher gestaltet und lohnt.

Von der Anlage unseres Geldes in Banken, die wiederum aggressiv in den Ausbau der Klima-Killer Erdöl, Kohle und Atomstrom, in Nahrungsmittelspekulationen und Waffenhandel investieren oder eben nicht, bis hin zu unseren alltäglichen Einkäufen – wir haben die Macht über unser Geld und unser Geld hat Macht über das profit-, macht- und geldhungrige Treiben der Großkonzerne und Finanzhaie. Klingt paradox. Können wir die Kapitalriesen mit ihren eigenen Mitteln ’schlagen‘ und aus einem so oft negativ konnotierten Verhältnis von Macht und Geld etwas Positives entwickeln?

We have a voice. We can vote, we can protest. But another active thing we can do is watch where we spend our money… We are not seen as citizens, we are seen as consumers. Make no mistake. The oligarchy (billionaires running the country) makes their billions from us… People at the top of our government are addicted to money. (Sarah Silverman)²

 

Zunächst geht es ums Prinzip. Theoretisch haben wir großes Einflusspotenzial und jede Handlung zählt. Die ‚Moralisierung der Märkte‘ ist ein sich abzeichnender Trend. Viele Abhängigkeiten sind dennoch nicht so leicht zu umgehen. Und die ‚Mind Behaviour Gap‘ – die Kluft zwischen moralischer Einstellung und tatsächlichem Handeln – sie klafft. Daran ist der Konsument aber nicht allein ’schuld‘. Zudem zweifelt der Kulturwissenschaftler Prof. Dr. Ludger Heidbrink daran, dass sich ein Weltbürgersinn und -bewusstsein durchsetzen wird – dass überhaupt alle über diese ‚Kompetenz‘ verfügen. Er fordert zurecht ‚globale Government Strukturen‘ wie zum Beispiel ein Internationales Verbraucherschutzministerium und zusätzliche Verbraucherorganisationen, die den Konsumenten stärker unterstützen. Den Wechsel von der eher passiven ökonomischen Konsumentensouveränität zur moralischen Konsumentensouveränität zu vollziehen – das ginge nicht ohne wirtschaftliche Kooperationen auf der einen Seite und auch nicht ohne politische Förderungen von Rahmenregelungen, von Gesetzen und Verboten auf der anderen Seite. „Aber der Weg ist möglich und die moralische Konsumentensouveränität stellt eine sinnvolle Option dar.“³

Inwieweit man die einflussreichsten Superreichen, die 0,1% unserer Gesellschaft, überhaupt berühren kann, bleibt für mich fraglich. Vielleicht mit einem Kitzeln, das sie nur zum Lachen bringt. Doch die weitere Abspaltung sozialer Stämme und die eigentlichen Konflikte werden früher oder später ausgetragen werden müssen.¹

 

 

Weitere Informationen auf:

https://urgewald.org/

¹ (Vgl.) Reichen-Kritiker Hans-Jürgen Krysmanski im Interview auf http://www.manager-magazin.de/finanzen/artikel/a-860016.html

² Sarah Silverman – „comedian, writer, human woman, quantum physicist“ – im Video ‚How Sarah Silverman took control of her own money and hit Big Oil where it hurts‘ von NowThis (s.o.)

³ Prof. Dr. Ludger Heidbrink im Video zur Vorlesung zum Thema ‚Die Macht des Konsumenten‘, Akademie für politische Bildung Tutzing, Forum Menschenwürdige Wirtschaftsordnung, Bayerischer Rundfunk, 2013

Illustration: Lisa Frühbeis