INNATEX X42 Bloggertreffen – wo der Schuh drückt

INNATEX X42 Bloggertreffen – wo der Schuh drückt

Das war wieder ein anregendes Bloggertreffen, zu dem wir auf’s Neue im Rahmen der 42. Ausgabe der Innatex Fachmesse für nachhaltige Textilien¹ in Hofheim-Wallau bei Frankfurt am Main von der reizenden Presseabteilung eingeladen waren. Zum zweiten Mal seit unserem Besuch im Sommer 2016 mischte ich mich unter gleichgesinnte Promoter grüner Mode und traf dabei auf die Macher von Kim goes eko, My Green Closet, The OCNG, Green looks Great, Fairnica, TerraVeggia, Und eine Prise Liebe, Green4Family und Kissen und Karma.

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Berndt Hintzmann vom INKOTA-Netzwerk lieferte uns, in einem Vortrag am Rande der den über 300 Ausstellern gezollten Bühne, einen Einblick in die komplexen und problematischen Herstellungsbedingungen von Schuhen – Schwerpunkt dieser Saison und Dauerbrenner-Thema bewusster Konsumenten. Denn diese warten schon länger auf ein breiteres Angebot echter nachhaltiger Alternativen – vielmehr noch schreien Umwelt und Arbeiter nach ökologischen Maßnahmen und mehr Fairness.
Im Gegenteil zu einem wachsenden Wandel in textilen Bekleidungssachen, für die es bereits diverse Zertifizierungsmöglichkeiten gibt, steht besonders die lederverarbeitende Industrie in Fragen der Ethik in der Kritik. Ihre zu verantwortenden verheerenden Umweltauswirkungen durch Viehhaltung und Gerbereien, Gesundheitsrisiken durch giftige Chemikalien im Gerbprozess und die Missachtung von Menschenrechten in der Produktion sind ein großes Übel, das bisher zu wenig Beachtung fand. Dem entgegen wirken möchte Hintzmann mit der ‚Change Your Shoes‘-Kampagne, die mit Studien und Factsheets aufklärt und öko-soziale Standards in der Schuh- und Lederproduktion einfordert. Auch der Messeveranstalter plant zukünftig die Zulassungskriterien für Schuhmarken zu überarbeiten, um noch zuverlässigere Auskünfte über deren Engagement geben zu können.

Demnach muss man bis dato bei den Brands gutgläubig nachfragen, was ihre Schuhe so besonders nachhaltig macht. An dieser Stelle sei gesagt, dass es auch aus Designer- bzw. Herstellerperspektive nicht leicht ist, an nachweislich ökologisch produzierte Materialien und Zutaten zu kommen, solange das Thema nicht stärker ins öffentliche Bewusstsein gelangt und der Markt sich nicht auf innovative Weise zum Positiven verändert. Vegane Angebote wie Stoffe auf pflanzlicher Basis lassen zwar aufhorchen und hoffen, aber gehen oft nicht mit ausreichend Transparenz einher, wenn fraglich bleibt, wie hoch der Energieaufwand ist oder welche chemischen Prozesse in der Produktion ablaufen. Neben pflanzlichem Färben und Gerben, das auch eine Veränderung der Qualität des Leders bedeutet, spielt ebenso die Herkunft der Tierhäute eine Rolle und bleibt die persönliche Gewissensfrage.

Was die Auswahl auf der Innatex und den ästhetischen Wert eines Schuhwerks angeht, bin ich fündig geworden und empfehle ich zur weiteren Recherche folgende vielversprechende Schuhlabels:
• Melawear (Neuling Testphase: Sneaker aus Baumwolle, Fairtrade und GOTS-zertifiziert, vegan)
• Vesica Piscis (Neuling, Sneaker und Mokassins, vegan, recycled / recyclebar, biologisch)
• Grand Step Shoes (seit 1993, öko-faire Schuhe aus diversen Materialien)
• Werner (seit 1911, Lederschuhe, vegetabil/chromfrei gegerbt, europäische Produktion, Mitglied des IVN)
• nae (Lederalternativen, Produktion in Portugal, vegan, ökologisch)

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Abseits der Schuhthematik und inmitten der vielen verstreuten Baby-Bekleidungsartikel, Woll- und Filz-Accessoires, sowie der Öko-Image-behafteten Bekleidungsunternehmen, die eine andere Zielgruppe ansprechen dürften, stieß ich neben den etablierten bzw. kommerziell angelegten Modelabels wie Lanius und Lana auf die kleinen, feinen Schätze Komodo, Frieda Sand und Greta Andersson aus Hamburg. Da lohnt es sich mal vorbei zu schauen!

Jungsdesignern, die Interesse haben ihre Produkte auf der Innatex zu präsentieren, empfehle ich eine Bewerbung um die ‚Design Discoveries‘. In dieser Sparte wird neuen ‚coolen‘ Brands die Möglichkeit gegeben, für einen Bruchteil der ohnehin günstigen Teilnahmegebühren (im Vergleich zu den Messen in Berlin) auszustellen – im Kollektiv, im Fokus der Presse.

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Fotos: © INNATEX / Nicole Grote

¹Die internationale Fachmesse für nachhaltige Textilien zeigt schon seit über 20 Jahren Naturtextilien aus dem klassischen Bekleidungssektor und den Bereichen Accessoires, Heimtextil, Stoffen, Spielzeug etc. Die Zulassungskriterien für Aussteller sind mit folgenden Mindestkriterien verbunden:

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