Fast Fashion Ausstellung – Kunstgewerbe Museum Hamburg

Fast Fashion Ausstellung – Kunstgewerbe Museum Hamburg

Ich möchte Dinge gerne gut finden.
Aber ich kann Dinge nicht nur deshalb gut finden,
weil sie sich  mit essenziellen Themen auseinander setzen.

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Fast Fashion. links und rechts steht jeweils eine Puppe am Eingang. links: H&M. fast fashion. rechts: people tree. slow fashion. Durch die Tür. Und man wird direkt mit einem Horrorvideo begrüßt. „Dieses Video enthält gewalttätige Szenen.“ Wenn man sich für das Thema interessiert, sieht man das übliche Verdächtige. Übermüdete Arbeiter, verschmutzte Natur und gequälte Tiere. Um die Ecke geht es gleich so weiter. „Dieser Film ist für Besucher unter 18 Jahren nicht geeignet.“ Ein Peta-Film über das Rupfen der Angorakaninchen und das Scheren von Schafen. horrormäßig. Ich sehe Menschen, die davor das Gesicht verziehen, manche stöhnen leise. Mir kommen die Tränen und ich ziehe weiter. Ein Pulli von Washaus, auf den das eingestürzte Rana  Plaza Gebäude gedruckt ist. plakativ . / ? / !

Der überwiegende Rest der Ausstellung schlägt in die gleiche Kerbe: Schocken, Anklagen, Aufklären, Bewusstsein schaffen.

Im großen und Ganzen war die “Fast Fashion”-Ausstellung des Kunst- und Gewerbemuseums Hamburg für den durchschnittlichen Konsumenten intuitiv, informativ und verständlich gestaltet und sicher ist es auch die Aufgabe, bei einem Thema wie Fast Fashion, die Probleme anzusprechen und Aufklärungsarbeit zu leisten. In diesem Sinne ist dieser Teil der Ausstellung durchaus gelungen.

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1. Warnung zum Peta-Film über das Rupfen der Angora-Kaninchen und das Scheren von Schafen 2. “Sitzgelegenheiten” in der Ausstellung
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1. Fabrik nach Arbeitsschluss 2. Rana-Plaza Opfer (Anschnitt: Rea) 3. Rana-Plaza Digitaldruck auf Polyester-Pulli von Washaus

Schön wäre es doch, die Besucher an der Stelle abzuholen und ihnen die schönen und nachhaltigen Seiten der Mode zu zeigen. Man wird auch hier nicht enttäuscht und wird etwas versteckt zwar, aber doch zu einem gesonderten Slow Fashion Bereich geführt.

Leider fühle ich mich hier überhaupt nicht abgeholt. Ich fühle mich eher mitgenommen und zwar von einem Zug, dem ich auf den Gleisen im Weg stehe.

Lieblos hängen kleine Stofffetzen neben unkommentierten Lookbooks an abgefressenen Pinnwänden. Offensichtlich unüberlegt wurden Plakate nebeneinander gehängt. So hängt beispielsweise ein Plakat über die App „Siegelklarheit“ neben der D-Tox Kampagne von Greenpeace, die von Kirsten Brodde geleitet wird. Diese wiederum hat auf ihrem Blog „Grüne Mode“ die App „Siegelklarheit“ in Grund und Boden kritisiert. Damit nicht genug findet man auch reihenweise verpixelte Fotos, grauenvoll verarbeitete Samples, Mülltütenkleider und Kleidung, die mit Kabelbindern verschnürt zu einem Sessel zusammen gezurrt ist.

Schafft man so wirklich Wertschätzung für die Arbeit und die Ressourcen, die in unserer Kleidung stecken? Ist das die lang ersehnte Alternative zur Fast Fashion?

Dabei kann Mode etwas so Wunderbares sein. Ein zu Hause zum Wohlfühlen und Mitnehmen. Ein kleiner, privater Raum, den man um sich baut und mit in den Alltag tragen kann.
Nachhaltige Mode heißt nicht nur, dass sie ökologisch und ethisch nach höchsten Standards produziert wurde, es heißt eben auch, dass sie lange und freudvoll getragen werden sollte. Leider finde ich es an dieser Stelle  etwas elitär zu denken, dass etwas gelesen, gehört und getragen werden muss, nur weil der Inhalt stimmt.
Sicher ist es anerkennenswert und wichtig, sich mit dem Thema zu beschäftigen und gerade Initiativen wie die Detox Kampagne haben unglaublich viel für eine nachhaltigere Modeindustrie geleistet; jedoch muss für den Konsumenten am Ende das Gesamtpaket stimmen. Ohne den Konsumenten auch ästhetisch von nachhaltiger Mode überzeugen zu können, wird es einfach nicht gehen. Und gerade ihn brauchen wir doch endlich auf “unserer” Seite. Nur wenn nachhaltige Mode auch gekauft wird, kann der Wandel zu einer nachhaltigeren Modeindustrie kommen. Schon Vivienne Westwood sagte:

We can only be saved by public opinion.

Wenn ein so wichtiges Thema in einer Ausstellung Raum bekommt und man die Chance hat, die Konsumenten nicht nur aufzuklären, sondern ihnen auch noch zu zeigen, was die Alternative ist, empfinde ich das, was im Slow-Fashion Bereich geboten wurde, leider wirklich als eine  vertane Chance.

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Slow-Fashion Teil: Impressionen

 

Image source: REA