fashion tech talks @ Berlin Fashion Week

fashion tech talks @ Berlin Fashion Week

Sowohl auf der Konferenz ‘Fashion Fast Forward’ des ZEIT Magazins und der VOGUE als auch bei den Vorträgen im Rahmen der Ethical Fashion Show zur Berliner Fashion Week im Juli 2015 schlug das Thema ‘Fashion Tech’ an.

Dabei geht es um die aktuelle Tendenz zur Entwicklung innovativer Produkte, die Mode und Technik in sich vereinen. Diese werden zukünftige Bekleidungspraxen und Kommunikationsprozesse stark beeinflussen, was Anlass zur Unterhaltung gibt.

Als Gast von Christiane Arp, Chefredakteurin der VOGUE und Christoph Amend, Chefredakteur des ZEITmagazins, stand Krischan Lehmann unter dem Motto ‘Analog, digital, egal’ auf der Bühne des Kronprinzenpalais. Der erfahrene ‘Director for Strategy and Digital Development’ des Condé Nest Verlags wies zunächst darauf hin, dass die Durchsetzung technologischer Innovationen auf dem Massenmarkt seit den 50er Jahren stetig schneller erfolgt und auch die öffentliche Zugänglichkeit, was die Bezugsquellen von spezifischen Fachkenntnissen angeht, zunimmt. Das heißt alles, egal was, wird immer effizienter und differenzierter umgesetzt, da wir aus einem kollektiven Wissenspool schöpfen können. Die Digitalisierung sei eine Demokratisierung der Produktionsmittel. So funktioniert heute das Prinzip des Open Source und begeistert viele Technikfans. Man sieht sich in jeder Hinsicht mit immer mehr Möglichkeiten konfrontiert, für die wir nur Systeme entwickeln müssten, die uns eine selektierte Auswahl anbieten – angepasst an unsere individuellen Bedürfnisse, behauptet Lehmann.

Alles ganz im Sinne der ‘Convenience’ – Annehmlichkeit, Komfort, Verbraucherfreundlichkeit – so steht die Technologie für ein besseres Leben? Lehmann ist überzeugt, sie kann viele Probleme lösen.

Ich komme nicht umhin, festzustellen, dass unsere Welt zunehmend von ‘Nerds’ gestaltet wird. An sich ist das nicht schlimm, wenn sie dabei nicht die Grenzen der Ethik übertreten und reflektieren was sie tun und was damit passiert; wenn sie also das größere Ganze im Blick behalten. Intelligenz ist nicht gleich Intelligenz. Und alles Neue und alles was theoretisch möglich ist, wird seither sofort von marktführenden Großkonzernen aufgegriffen und mit Hochdruck für einen bis dato ungeahnt praktischen Nutzen instrumentalisiert. Von Google & Co und jedem, der die oder der Erste sein will – des potenziellen Ruhms und Profits wegen, aber auch wohl ein wenig aus menschlicher Neugierde und unhaltbarer Strebsamkeit heraus.
Und die meisten Menschen folgen, kaufen, konsumieren, wenn Ihnen mehr Bequemlichkeit versprochen wird . Klar – die Technik ist faszinierend. Sie vereinfacht das Leben einerseits und verkompliziert es da, wo man als Durchschnittsbürger kaum mehr versteht wie sie funktioniert und aufgeschmissen ist, sobald sie ausfällt.
Sie ist so abstrakt, fast mystisch, fast wie aus einer anderen Welt.

Ebenso ist Thomas Gnahm, das Herz des Wear It Festivals, von ihr angetan und sieht keinen anderen Weg als nach vorne. “Der technische Fortschritt kommt so oder so.” Und wenn wir, als kleine kreative Bürger, aktiv daran Teil haben, könnten wir auch bestimmen wohin er uns führt, argumentiert er während seines Vortrags im Postbahnhof zum Thema ‘Wearable Technology’. Gnahm liefert zugleich einen Einblick in den modischen Kosmos technischer Errungenschaften und erzählt von seinen persönlichen Erfahrungen: Aus Spaß an der Sache zelebriert er mit seiner Künstler-Fahrradgang ‘Trafo Pop’ sowie mit den Ausstellern seines Festivals den Drang in Richtung Zukunft – mit einem Leuchten in seinen Augen, mit einem Blinken auf seiner Gang-Jeansjacke.

Beide, Krischan Lehmann und Thomas Gnahm erwähnen die Kooperation von Google und Levi’s, die unter dem Titel ‘Project Jacquard’ zusammen an einem ‘smarten’ Stoff arbeiten. Dieser ermöglicht Interaktionen zwischen Mensch und Textil und wird zunächst auf Massentauglichkeit getestet. In das Gewebe werden feine Metallfäden eingearbeitet, die sensorisch auf Druck durch Berührung reagieren. Es kann so als Eingabegerät verwendet werden, das den Umgang mit Technik im Alltag vereinfachen soll. Man könne so zum Beispiel schneller –  was sonst – über Kopfhörer auf Anrufe reagieren, statt erst in der Tasche nach dem Handy zu suchen. Natürlich funktioniert das Ganze nur mit der Versorgung durch Strom.

making-clothes-intelligent_project jacquard

Und da sehe ich den Haken an der Sache. Ich will mich nicht grundsätzlich als Gegner der Technologisierung und Digitalisierung unserer Welt aufstellen. Doch hat jemand mal bedacht, was das für unsere Umwelt bedeutet? Ob wir überhaupt die Ressourcen für diese exponentielle Expandierung von Technik haben? Gnahm konnte mir das spontan nicht so richtig beantworten. Ich denke da an den begrenzten Vorrat Seltener Erden, die giftigen Abfälle ihres Abbaus sowie das Problem des Recyclings. Aber auch an alle Daten, die zukünftig von unserem Körper aus gesendet werden an Firmen, an unseren Arbeitgeber, unsere Krankenkasse, unsere Regierung? Ist es dann noch UNSER Körper, sobald er im virtuellen Raum existiert?

Ich bin gespannt wie sich das weiter entwickelt, und ob wir uns damit arrangieren werden oder irgendwann vor einem Kollaps stehen – sei er umweltbedingt oder weil der Mensch sich nicht zur Marionette machen lassen will. Laut dem Modejournalisten Tim Blanks von Style.com, dem seine Punk-Attitüde sympathischerweise noch anhängt, haben Fernsehen und Internet die Mode revolutioniert. Sie hat seitdem eine große Masse an Menschen erreicht. Gegenüber Christoph Amend, dem Chefredakteur des ZEITmagazins, betont er aber, für ihn gehe es jedoch nicht um die Technologie, “sondern um die Substanz und die Macht des Content“. Die junge Generation suche jetzt wieder nach Dingen, die nicht digital veranlagt sind. Ein Designer, der alles ablehnt, zu dem die Mode geworden ist, hebt er mit dem Namen Alessandro Michele hervor, der derzeit für das Modehaus Gucci arbeitet. Er verbinde das ganz Alte mit dem ganz Jungen und verkörpere so ein neues Freiheitsgefühl.

So wird sich hoffentlich alles fügen und wir werden euch in naher Zukunft mit weiteren Infos rundum Fashion Tech unter gleichnamigem Tag versorgen!

/

WEITERFÜHRENDE FRAGEN & ARTIKEL

> ‘Fashion Fast Forward’??? – Unser Einblick in die Konferenz des ZEITmagazins und der VOGUE

/

/

Image source: https://www.google.com/atap/project-jacquard/ & http://www.trafopop.com/