Wer trägt hier die Verantwortung?

Eine dieser fundamentalen Fragen, die ich mir stärker denn je im Zusammenhang mit der Modeindustrie stelle. Als studierte Designerin ist mir die dunkle Seite der Fast Fashion nicht verborgen geblieben. Die Zeiträume sind eng gesteckt, eine internationale Fashion Week reiht sich an die nächste, die Produktionszyklen überschlagen sich mit Pre-Collections und regulären Kollektionen. Bekleidungsgiganten bringen es sogar auf mehr Kollektionen als Wochen in einem Kalenderjahr. Allein die Vorstellung von diesen Bergen an Kleidungsstücken, die in den Kleiderschrank des Kunden sollen, lässt mich mit dem Kopf schütteln. Denn genauso viel wie nach Hause getragen wird, findet auch den Weg in den Altkleidercontainer, den Müll und so weiter.

Was mich in diesem Zusammenhang noch mehr erschüttert hat, ist der Plan von einem “see now, buy now”- Modell, von dem ich kürzlich gelesen habe.  Nach Aussage des CFDA (Council of Fashion Designers America) wird hier in Erwägung gezogen, dass sogenannte “on-season” – Kollektionen nach der Präsentation auf dem Runway  innerhalb von 30 – 60 Tagen in den Handel gelangen, um so noch näher am Kunden zu sein.  Aber wie viel Nähe braucht dieser wirklich? Wie kann man diese galoppierenden Produktionen mit den augenscheinlichen Bedürfnissen des Kunden rechtfertigen? Man sollte die Verantwortung nicht allein bei ihm suchen. Er konsumiert oft das, was ihm oktroyiert wird. Wenn die Modeindustrie schneller produziert, wird auch immer schneller und mehr konsumiert. Wirtschaftlich gesehen reibt sich der Markt die Hände, ökologisch betrachtet ist es eine Katastrophe. Lang geforderte Bedingungen wie faire Arbeitsbedingungen, faire Bezahlung, nachhaltige Materialbeschaffung können so nur schwerlich etabliert werden.

Wie geht man also mit der Verantwortung um? Meines Erachtens stehen hier Designer, Unternehmen und Kunden in einem Wechselspiel, das einander bedingt und auf das man sich einlassen muss. Das Fast-Fashion-Modell hat leider Fuß gefasst und eine vermeintliche Lücke in den Bedürfnissen der Kunden geschlossen. Das Bewusstsein für den Mehrwert der Kleidung wurde dadurch auf bizarre Art obsolet gemacht, so lange neue Ware in den Läden zu finden war, um Altes oder Kaputtes zu ersetzen. Aber was, wenn das Bedürfnis nach Mehrwert zurückkehrt? Kann man dies als Designer unterbewusst hervorrufen, den Kunden wachrütteln, ihn an die Hand nehmen und sagen: “Schau, wie schön es ist Mode zu genießen, wenn sich das Karussell langsamer dreht?”