Das Textilbündnis – Zwischenstand zur Ethical Fashion Show

Das Textilbündnis – Zwischenstand zur Ethical Fashion Show

Fashion Week Berlin – Ethical Fashion Show & Greenshowroom, 2. Tag, auf meinem Programm: Der Ministerialdirigent Dr. Bernhard Felmberg vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung stellt “erste Ergebnisse und nächste Schritte” des Textilbündnisses vor.

Das erst im Oktober 2014 gegründete ‘Bündnis für nachhaltige Textilien’, das von Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) ins Leben gerufen wurde, bezeichnet sich selbst als ambitioniert, was soziale und ökologische Verbesserungen entlang der globalen textilen Wertschöpfungskette angeht. Zusammen mit der Industrie und unabhängigen Organisationen arbeitet man an der Umsetzung eines Aktionsplans, der entsprechende Standards festlegen soll. Alle Mitglieder erklären sich zur aktiven Beteiligung am gemeinsamen Ziel bereit, die Rahmenbedingungen in den Produktionsländern zu verbessern. Dies sei durch synergetische Lernprozesse und gesteigerte Effizienz bei der Bewältigung vieler Herausforderungen entlang der komplexen Industrieverzweigungen zu erreichen.

Anfangs gab es schnell Rückzieher von Seiten großer Branchenverbände, die sich den hohen Anforderungen scheinbar nicht gewachsen sahen. Da man aber in der Breite der Textillandschaft etwas bewirken wolle, wurde 2015 neu verhandelt, um auch große Unternehmen ins Boot zu holen. Wo genau der Maßstab nun angesetzt wurde, wird bisher nicht offen kommuniziert und steht auch nicht endgültig fest. Im Sommer 2015 noch beklagte sich Kirsten Brodde, Textilcampaignerin von Greenpeace, über ausbleibende Fortschritte.¹ Zuvor schon kritisierte sie die laschen Umweltschutzauflagen:

“Wir gehen davon aus, dass das Entwicklungsministerium dem Druck der Textillobby nachgegeben und deshalb die ökologischen Standards verwässert hat”, sagt Brodde gegenüber tagesschau.de. Greenpeace habe sich deshalb entschieden, diesem Bündnis nicht beizutreten.²

Herr Dr. Felmberg betonte am gestrigen Tag, die ILO-Kernarbeitsnormen bildeten das Rahmenprogramm, um existenzsichernde Löhne sowie mehr Sicherheit am Arbeitsplatz zu garantieren. Schädliche Chemikalien sollten möglichst weitreichend aus den Produktionsprozessen ausgeschlossen werden.
Mittlerweile habe das Bündnis großen Zulauf und sei nun mit 170 Mitgliedern vertreten, die 50% des deutschen Marktes abdeckten. So würde man Schritt für Schritt das “große Rad” in Bewegung setzen können.

 

Nicht nur sollen von den Unternehmen Nachweise erbracht und Lücken geschlossen werden, sondern auch einzelne Stakeholder in den Produktionsländern eingesetzt werden. Darum kümmere sich ab Februar die neue Arbeitsgruppe zur ‘Internationalisierung’. Man wolle “vor Ort” sein und von Beginn an Akzente in neuen Herstellerländern wie Äthiopien oder Myanmar setzen. Spätestens seit dem Elmauer G-7-Gipfel stehe die Forderung nach Verantwortung in globalen Lieferketten bei den Staatsmännern der Industriestaaten oben an. Das Textilbündnis will ein Vorbild sein für andere Wirtschaftszweige und beweisen, “dass sich faire Herstellung lohnt”.

Bernhard Felmberg klingt optmistisch. Er ist auch in wirtschaftlicher Hinsicht zuversichtlich, schließlich könnten Unternehmer an vielen Stellen “sparen”, “ökonomisch voran kommen” und sich “Wettbewerbsvorteile” verschaffen.

Es ist noch viel zu tun. Es braucht Zeit. Die Arbeitsgruppen, die sich aus Experten verschiedenster Bereiche zusammen setzen, sind weiterhin mit der Recherche beschäftigt. Wie konkret sich das Bündnis festlegt, “entscheidet (am Ende) der 12-köpfige Steuerungskreis, dem neben vier Vertretern von Handel und Industrie auch Ministerien, Entwicklungsgruppen und der Gewerkschaftsbund angehören – und zwar nach dem Konsensprinzip.”³ Auch in Sachen Kontrolle, Sanktionsmechanismen und Transparenz ist man sich noch nicht sicher, wie genau “diese Dinge” gestaltet werden und bei Felmberg fällt das Wort ‘Vertrauen’, das generell wichtig im Umgang mit seinen Kooperationspartnern sei.

 

Mal so eben die festen und extrem verzweigten Strukturen umzustürzen ist tatsächlich nicht so einfach. Er hat insofern Recht: Das ist “kein Weg von heute auf morgen”. Man kann nur hoffen, dass dennoch nicht zuviel Zeit mit Debatten verschwendet wird und schon bald Ergebnisse nachvollziehbar präsentiert werden. Felmberg merkt richtig an, dass es auch finanzieller Unterstützung der Regierung bedarf. Mir ist klar, dass die Interessen der Big Player sicher im Vordergrund stehen werden, bleibe aber gespannt, was einzelne vielversprechende Repräsentanten des Steuerungskreises – die drei NRO’s: Christliche Initiative Romero, Femnet e.V. und INKOTA nebst dem nicht-kommerziellen Siegel GOTS – mitbewirken können und hoffe, bei der nächsten Fashion Week auf klarere Worte.

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> Wie klar ist der ‘Siegelklarheit’-Guide vom Textilbündnis? (COMING SOON)

 

Quellen:
¹2014, Tagesschau.de, “Textilbündnis wird zur Luftnummer”: https://www.tagesschau.de/wirtschaft/textil-103.html
²2014, Tagesschau.de, “Was bringt Müllers Textilbündnis?”: http://www.tagesschau.de/inland/textil-101.html
³08/2015, Süddeutsche.de, “Nähkreis”: http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/bessere-textilien-naehkreis-1.2603793
https://www.textilbuendnis.com