Einer von wenigen Transparenten

Dass Transparenz sich nicht nur in Stofflichkeit manifestiert, sondern auch ein Credo einer Firmenphilosophie sein kann, ist bisher wenig in der Modelandschaft vertreten.
Wenige trauen sich diesen Schritt zu gehen, offen zu legen, woher das Material bezogen wird aus dem die Kleidertäume geschneidert werden, geschweige denn die Produktionsstätten zu erwähnen.
Wird etwa damit gepokert, dass es für den Kunden nicht von Belangen sei oder dass er gar kein Interesse daran hat, was von wo bezogen und unter welchen Bedingungen gefertigt wird?

Einer, der diesen Schritt jedoch direkt bei der Labelgründung gegangen ist, ist der Belgier Bruno Pieters, der 2012 ‘Honest by’ ins Leben gerufen hat. Nach seinem Sabbath-Jahr in Indien kündigte er nicht nur bei Hugo Boss, sondern lenkte seine Denkweise über Mode in völlig neue Bahnen. Sein Label ist völlig transparent und klärt minutiös darüber auf, was schlussendlich im Einkaufswagen des Kunden landet und legt gleichzeitig offen, was der Designer und andere Beteiligte daran verdienen. Allerdings vermisst man die Auflistung der Arbeit seiner Praktikanten, die leider immer noch kostenfrei für sein Modehaus arbeiten. Ein kleiner Wermutstropfen auf der sonst so weißen Weste.
Und dennoch ist es mutig, sich so zum gläsernen Kreativen zu machen und gleichzeitig ein wichtiges Statement zu setzen, wohin es gehen sollte in der Modeindustrie.

Doch gemessen an der Größe des Unternehmens, scheint es einfacher zu sein dem Kunden diese Einblicke zu gewähren, die Bekleidungsgiganten (noch) nicht geben (wollen). Es ist ein erheblicher Mehraufwand nach den richtigen Materialien zu suchen und deren kompletten Herstellungsprozess zu kennen, um somit sicher stellen zu können, dass auch wirklich auf alle Zertifikate, Umstände usw. geachtet wurde. Da sammelt sich ein großer Berg an Informationen an, dessen Be- und Aufarbeitung viel Zeit in Anspruch nimmt. Zeit, die sich die Fast Fashion nicht nimmt. Würden die Vertreter eben dieser alle Informationen zur Herstellung ihrer Kleidungsstücke darlegen, gäbe es sicherlich nicht viel erfreuliches zu lesen.

Auch in der Mode gibt es eine Pyramide und laut Pieters befindet sich der Designer zuunterst, es folgt der CEO, dann die Aktionäre und an der Spitze der Kunde, getreu dem Spruch: “Der Kunde ist König.”
Doch inwiefern ist dieser Allgemeinplatz noch gültig in Anbetracht dessen, was dem Kunden eben nicht mitgeteilt wird. So bald sich ein Unternehmen in Schweigen hüllt, kann man doch eigentlich davon ausgehen, dass nicht alles in einem fairen Rahmen passiert.

Und genau dann sollte der Druck des Kunden auf die Firmen einsetzen. Wenn er verlangt mehr Informationen zu bekommen, müssen diese im Idealfall nachziehen und Auskunft geben. Aber der bewusste Konsument ist eine rar gesäte Spezies und so braucht es mehr Designer wie Pieters, die sich nicht scheuen der Transparenz einen großen Platz einzuräumen und so das Vertrauen der Kunden zu gewinnen. Auch wenn es einen Mehraufwand mit sich bringt.

Pieters ist ein Pionier und viele Jungdesigner ziehen nach, weisen zertifizierte Stoffe, deren Produktionsländer etc. aus und machen somit dem Kunden die Kaufentscheidung für ein ethisch fair produziertes Kleidungsstück leichter.
So hoffe ich, dass aus einem von Wenigen zukünftig einer von Vielen wird.