Ökologische Produktion

Ökologie-orientierte Produktion ist viel mehr als die Umstände, unter denen das Rohmaterial für ein Kleidungsstück auf dem Feld angebaut wird. Auch wenn in der Herstellung von natürlichen Textilien der Anbau vom Ausgangsrohstoff eine große Rolle spielt, ist der Weg bis zum fertigen Produkt global verflochten und komplex. Nach der Ernte wird das Material gewaschen, kardiert, gesponnen, gefärbt, gewoben oder gestrickt, veredelt, genäht und verkauft. In der ökologisch vertretbaren Produktion werden alle diese Produktionsschritte mit einem Fokus auf Umweltverträglichkeit getätigt.

Umgangssprachlich als „ökologische Produktion“ bezeichnet, bedeutet diese kurz gefasst, dass entlang der gesamten Wertschöpfungskette eines textilen Produkts auf Umweltauswirkungen geachtet wird und Umweltschäden sowie gesundheitliche Risiken für Textilarbeiter und Endkonsumenten durch den Verzicht bestimmter Chemikalien minimiert werden.

Die daraus resultierenden ‚Bioprodukte‘ mit sozial und ökologisch hohen Standards werden entlang dieser ganzen Wertschöpfungskette überwacht und kontrolliert. So beispielsweise bei den Zertifikaten GOTS und IVN Best, die aktuell die höchst möglichen Standards bieten.

 

baumwolle

 

Anhand der Baumwollproduktion lässt sich die Kette wie folgt veranschaulichen: Baumwolle wird in rund 2% der weltweiten Agrarflächen angebaut und macht 33% der Weltfaserproduktion aus. Nur etwa 1% von dieser Baumwolle ist Biobaumwolle. Das ist der größte Anteil an natürlich hergestellten Fasern, die insgesamt nur 39% der Fasern weltweit ausmachen (Stand 2010).

Auf dem Feld darf für den Bio-Anbau kein genmanipuliertes Saatgut benutzt werden. Dies schützt die reine Qualität des Materials, aber auch die Bio-Bauern vor einer Abhängigkeit. Denn konventionelles Gensaatgut darf nicht eigenhändig nachgekeimt und im nächsten Jahr wieder ausgebracht werden. Das heißt, dass Bauern jedes Jahr genötigt sind, dieses von den größten Anbietern für genmanipuliertes Saatgut – Monsanto oder Bayer – abzukaufen.
Zudem dürfen von Bio-Bauern keine chemischen Herbizide, Insektizide oder Pestizide verwendet werden. Dies ist insbesondere bemerkenswert, da Baumwolle bei einem Anbaugebiet von 2% der Weltagrarfläche etwa 15% der ausgebrachten Herbizide und Pestizide verbraucht. Konventionelle Baumwolle braucht also überdurchschnittlich viel chemische Hilfsmittel. Im Gegensatz dazu wird bei Biobaumwolle nicht nur gesichert, dass die Baumwolle schadstofffrei bleibt, die Regelung garantiert der Bevölkerung vor Ort auch sauberes Trinkwasser und weniger Schäden an der Gesundheit, da solche Chemikalien stark die Lunge angreifen.
Außerdem wird besonders beim GOTS und IVN Best Standard darauf geachtet, dass faire Löhne gezahlt werden und sichere und saubere Arbeitsbedingungen vorherrschen – auch beim folgenden Waschen, Kardieren (sprich Kämmen), Spinnen, Zwirnen, Stricken oder Weben.

Entlang der weiteren Wertschöpfungskette sind in der ökologischen Produktion viele Chemikalien stärker reguliert als konventionell zulässig ist. Die Liste der verbotenen Substanzen wird ständig erneuert und sichert dadurch andauernd die aktuell höchsten umsetzbaren ökologischen Standards.

Normalerweise werden in der gesamten Textilproduktion rund 7000 Chemikalien verwendet, die sogar praktisch ins Gewicht der Kleidungsstücke fallen. Ihr Großteil kommt in folgenden Schritten zum Einsatz: Beim Färben sind es die anorganischen Chemikalien Natriumsulfat, Natriumhydrogensulfat und Natriumchlorid. Außerdem Ameisen- und Essigsäure, Triphenylmethan-Farbstoffe, Anthrachinon-Derivate, Anthathrone, Pyranthrone, Vialanthrone, Perinone, Perylene, Schwefelfarbstoffe, Xanthenfarbstoffe, Azinfarbstoffe und indigoide Farbstoffe. Letzteres ist eigentlich ein Naturfarbstoff, der mittlerweile häufig synthetisch hergestellt wird. Zusätzlich und auch bei der Veredlung sind Ammoniak, Natronlauge und Schwefelsäure Bestandteile des Färbeprozesses. Zur Verdichtung gegen Wasserdurchlässigkeit werden standardmäßig Aluminiumsalze verwendet. Beim Bleichen von Textilien nutzt man in der Regel Wasserstoffperoxid, Natriumhypochlorit oder Natriumchlorit. Um Fasern, Garne bzw. Textilien zu veredeln, ihnen also ein besonderes Aussehen und/oder bestimmte Eigenschaften zu verleihen, werden sie in der Appretur beispielsweise mit Magnesiumsulfat behandelt. Im Fall merzeresierter Baumwolle wird mithilfe von Natronlauge dem Stoff ein glatterer Griff und seidiger Glanz verliehen.

Grundsätzlich garantiert am ehesten der Verzicht auf derartige Chemikalien einen kleineren ökologischen Fußabdruck. Für einige dieser Verarbeitungsprozesse gibt es selbstverständlich schonendere alternative Methoden, die auf pflanzlichen Färbe- oder Gerbetechniken bzw. rein natürlichen Anwendungen basieren. Dazu mehr hier. Die Industrie greift zugunsten der Einfachheit und Vielfältigkeit bei der Herstellung ihrer gewünschten Produkte bis dato jedoch lieber zu synthetischen Farben und ergebnisorientierten Lösungen.

Leider werden zu Haufe auch höchst gefährliche und in der EU teils verbotene Chemikalien in ausländischen Produktionen eingesetzt, die sogar noch im Endprodukt verhaftet sind und die Gesundheit der Konsumenten beeinträchtigen können. Greenpeace setzt sich mit der Detox-Kampagne für ‚giftfreie Kleidung‘ ein und drängt große Marken zur Selbstverpflichtung, bis 2020 sämtliche Schadstoffe in ihren Kleidungsstücken durch harmlosere Varianten zu ersetzen. Eine informative Übersicht der problematischen Stoffgruppen – Biozide, Weichmacher und Schwermetalle – gibt es im ‚Einkaufsratgeber für giftfreie Kleidung’¹ vom Juni 2016.

Die konventionelle Wertschöpfungskette eines Baumwoll-T-Shirts mit weiteren problematischen Stationen betrachten wir detailliert in dem Beitrag „Wie wird mein T-Shirt produziert?“.

Gut erklärt und visualisiert wird die Bio-Baumwoll-Produktion in einer Videoserie von Hessnatur auf Youtube:

 

 

 

Quellen:

¹ ‚Textil-Label unter der Detox-Lupe – Einkaufsratgeber für giftfreie Kleidung‘ von Greenpeace; 2016; 4. Auflage: https://www.greenpeace.de/sites/www.greenpeace.de/files/greenpeace_textil-label-juni_2016.pdf

A Engelhardt: Schwarzbuch Baumwolle. Was wir wirklich auf der Haut tragen; Deuticke; 2012

Fachwissen Bekleidung; Europa Lehrmittel; 2007; 9. Auflage

Chemikalien, die unter die Haut gehen; online Oktober 2016: https://www.welt.de/print/die_welt/wirtschaft/article158531117/Chemikalien-die-unter-die-Haut-gehen.html

Chemikalien in unserer Kleidung; online Juni 2016: http://bonsum.de/magazin/chemikalien-in-unserer-kleidung