Transparenz

DEFINITION & PROBLEM

Transparente Mode – darunter stellen wir uns vor allem durchsichtige Stoffe vor, die erahnen lassen, was sich unter der Oberfläche eines Kleidungsstücks befindet. Besonders tief blicken lassen die meisten Modefirmen allerdings nicht was den Herstellungsprozess ihrer Produkte angeht – und interessiert es uns als Konsumenten?

In einer global immer komplexer vernetzten Industrielandschaft haben wir den direkten Draht zu den Produzenten unseres materiellen Besitzes verloren. Früher konnte man lokalen Handwerkern noch bei der Arbeit zusehen – heute kauft man fertige Waren quasi anonym in großen Einkaufshäusern. Vielen ist nicht bewusst, dass immer noch viel manuelle Arbeit von Menschen an Maschinen und Werkzeugen in die massenhaft günstigen Konsumgüter fließen. Sie kommen sozusagen vom Laufband und man unterschätzt den Aufwand, der für ihre Herstellung betrieben wird.

Dabei sorgte der Einsturz des Rana Plaza Gebäudes in jüngster Vergangenheit für große Empörung weltweit. Seitdem ist es offiziell kein Geheimnis mehr, unter welchen katastrophalen Bedingungen Menschen und Tiere ausgebeutet werden und die Umwelt in Mitleidenschaft gezogen wird. Made in China oder Bangladesch – viel mehr geben die Etiketten an Kleidungsstücken jedoch nicht preis. Erschreckend dabei ist, dass die Modehersteller oft selbst nicht genau wissen wie es in den Produktionsstätten, mit denen sie über eine Kette von Agenten und Zulieferern in Verbindung stehen, zugeht. Da sie die Aufträge ’nur‘ weitergeben, wälzen sie ihre Verantwortung auf die produzierenden Firmen und Kunden ab.

LÖSUNGSANSÄTZE

In Sachen Transparenz müssten sich viele Unternehmen viel stärker ihrer eigenen Verantwortung stellen und sich von ihren Kunden in die Karten schauen lassen, damit diese die Möglichkeit haben, eine bewusste Kaufentscheidung treffen zu können. Dazu gehören die Offenlegung von Lieferanten, die eigenständige und eingehende Überprüfung von Produktionsbedingungen vor Ort und die entsprechende öffentliche Berichterstattung mit hohem Maß an aussagekräftiger Aufrichtigkeit. Sie müssten die Frage rundum beantworten können, woher ihre Waren genau kommen. Vielleicht sogar welche Näherin welches Teil genäht hat, aber bestimmt welche Partner mit ihnen kooperieren – so wie man es beim jungen Unternehmen Jyoti Fairworks oder dem Onlineshop Folkdays recherchieren kann.

Vorreiter in dieser Angelegenheit ist der belgische Designer Bruno Pieters, der mit seinem Label Honest by sehr detaillierte Aufklärungs- und Aufarbeitungsarbeit leistet – leider nur einer von wenigen Transparenten.