FASHION CLASH feiert Mode grenzenlos.

FASHION CLASH feiert Mode grenzenlos.

In Richtung Berlin lösen sich am Montag nach dem Fashion Clash Festival im niederländischen Maastricht die dunklen Wolken des Vormittags wie auch verschwommene Gefühle von Spannung und Anspannung ganz allmählich wieder auf.

Das Programm aus Ausstellung, Markt und Modenschauen, das vor allem aufstrebende Modedesigner zusammen mit verschiedensten Künstlern zeigt, hat einige aufregende und interdisziplinäre Projekte und Produkte zu bieten. Erneut wurden in der großen Samdekorfabriek-Halle in einer Landschaft aus Holzwänden einerseits und auf Kleiderständern andererseits die Arbeiten internationaler Kreativer über vier Tage hinweg präsentiert und verkauft.

VIELFALT DER GESCHLECHTER

Das diesjährige Thema ‚Gender‘ war nicht nur in der Ausstellung konzipiert, sondern wurde in aufwändigen Choreographien unmittelbar und zeitgemäß über den Laufsteg geschickt: Teils trugen männliche Models Kleidung, die stereotypisch Frauen anhängt. Damit wird ungeschlechtliche Mode an Menschen vorgeführt, an Persönlichkeiten – mehr als nur entweder an Frauen oder Männern. Teils war es gar nicht möglich den Performern ein eindeutiges Geschlecht einer konventionellen Klassifizierung zuzuordnen – ganz wie Philosophin und Philologin Judith Butler nicht an eine biologisch begründete Unterscheidbarkeit glaubt, schon gar nicht im engen Rahmen absoluter Zweigeschlechtlichkeit.

fashion clash festival 2015_gender 2
Designers Rafael Kouto, Hermione Flynn, Manon Boertien

Als der Sextypus ‚Mann‘ in beigen Unterhosen fast nackt von neugierigen Blicken aufgefangen wurde und die eigentlich wichtigen Accessoires der MAFAD Studenten neben dem Hautton verblassten, war ich skeptisch. Sollte man nun Männer im Sinne einer Gleichbehandlung genauso entblättert zur Schau stellen wie an Frauen das Prinzip ‚Sex Sells‘ schon länger abgearbeitet wird? Sich darüber ärgern oder einfach die wieder- bzw. neu entdeckte Nacktheit diverser Sex- und Gender-Geschlechter feiern, ob sie nun als Instrument des Marketings dient oder nicht? In einer Welt, die sich eher bedeckt zeigt, handelt es sich natürlich um inszenierte Übertreibung. Dem Festival schadet es nicht, steht es doch für das junge wilde Freie, für etwas verspielte Provokation, fordert es eine angemessene Portion Aufmerksamkeit für einen wichtigen Sachverhalt… und die Niederländer nehmen sich bekanntermaßen – glücklicherweise – nicht allzu ernst.

MAFAD Academy design students and graduates Carina Schulte on transgender model Gia Bab, GrisGros jewellery design, Nathalie Barschewski
fashion clash festival 2015_gender 3
Designers Rachel Prijs, Odio x Pieczarkowski, Hana Frisonsova
Designers Yojiro Kake, Squat / Young @ Squat, Joelle Boers x Sofya Samareva
Designers Yojiro Kake, Squat / Young @ Squat, Joelle Boers x Sofya Samareva

DER NEUE FASHION CLASH FESTIVAL TALENT AWARD 2015

Im Großen und Ganzen bin ich sowohl als ausstellende Teilnehmerin als auch als Besucherin von dem erfrischenden Blick der Veranstalter auf die ganz eigene Welt der Mode und von vielen ihrer Exponate angetan. Trotz des untypischen Standorts und gerade als Förderer modernen Designs würde ich mir wünschen, dass ihre Arbeit noch mehr an Bedeutung und Bekanntheit gewinnt, dass sich noch mehr Talente bewerben, die Auswahl noch differenzierter wird. Und vor allem, dass Aspekte der Nachhaltigkeit in Zukunft eindeutig mehr in den Fokus rücken! Denn das wird bisher leider ausgelassen.  Viel mehr noch wurde dem in Mailand ansässigen argentinischen Designer LAT / Lautaro Amadeo Tambutto der erste Talent Award mit einem Preisgeld von 5.000 Euro übertragen – in seiner Kollektion lassen sich relativ überflüssige Fell-Flipflops und viele synthethische Materialien finden. Leider keine besonders fortschrittliche Investition in keine besonders herausragende kreative Leistung.

LAT collection fashion clash
The questionable award-winning collection ‚LATinAMERICA‘ of LAT

 

Image Source: http://www.fashionclash.nl