Lob des Schattens

Lob des Schattens

Am Beispiel des Umgangs mit Licht und Schatten gelingt Tanizaki Junichiro der faszinierende Entwurf einer japanischen Ästhetik. Kunstfertig und mit Leichtigkeit ergründet sein Essay die Wurzeln fernöstlicher Schönheit.

Autor: Jun’ichiro Tanizaki
Titel: Lob des Schattens
Verlag: Manesse
Erscheinungsjahr: 2010
Schwerpunkte: japanische/asiatische Ästhetik, WabiSabi

ZITATAUSZÜGE

„Ist nicht die Brokatschärpe des buddhistischen Priesters das beste Beispiel dafür? Heutzutage haben in den Städten viele Tempel ihre Hallen erhellt, um breiteren Volksschichten entgegenzukommen; an solchen Orten wirkt die Schärpe unnötig pompös und erweckt kaum je Ehrfruchtsgefühle, wie würdevoll und hochgestellt der Priester, der sie trägt, auch sein mag. Wohnt man dagegen einer nach alten Regeln abgehaltenen Zeremonie in einem traditionsreichen Tempel bei, entdeckt man, wie sehr die runzlige Haut des betagten Priesters, das unstete Flackern der Altarlampen und die Textur jenes Brokats miteinander harmonieren, wie sehr sie die Feierlichkeit erhöhen.“

„Wie ein phosphoreszierender Stein, der im Dunkel glänzt, aber bei Tageshelle jeglichen Reiz als Juwel verliert, so gibt es ohne Schattenwirkung keine Schönheit.“