SUSTAINABILITY DRINKS zum Thema FAST FASHION

SUSTAINABILITY DRINKS                                                zum Thema FAST FASHION

Gestern, Mittwoch den 13. 1. 2016, war wieder eine Sustainability Drinks Veranstaltung im Betahaus in Berlin, das erfreulicherweise aus allen Nähten platzte. Das gestrige Oberthema Fast Fashion zog geschätzte 200 Besucher an, was einmal mehr zeigt, dass zumindest in Berlin das Interesse an ethischer Mode auf jeden Fall steigt.

Fast Fashion – How can sustainable fashion keep up with the trends?

Der Aufhänger war die Frage „Fast Fashion – How can sustainable fashion keep up with trends?“. Um ganz ehrlich zu sein, hat sich bei dieser Frage in mir erst einmal alles aufgebäumt. Bei ethischer und nachhaltiger Modegestaltung geht es, meiner festen Überzeugung nach, nicht darum, wie man am besten mit den diktierten Trends und Zwängen mithält, sondern inwieweit man sie umlenken und neu denken kann. Auf Nachfrage von Elke von STILL Garments, die sich offensichtlich auch an der Formulierung störte, wurde jedoch erläutert, dass diese Frage allgemeiner gemeint war und nicht so zu verstehen sei, dass nachhaltige Mode „mit der Fast Fashion mithalten“ müsse.  Als sich die Wogen also geglättet hatten zeigte sich, dass die eigentliche Veranstaltung überzeugend war. Es gab Vorträge von MÖON, einem Laden für nachhaltige Kleidung, und Arianna Nicoletti, die ihres Zeichens Teil von Aluc, dem Upcycling Fashion Store und der Green Fashion Tour ist. Bereits in der Fragerunde kristallisierte sich heraus, dass das Publikum sehr anspruchsvoll und mit Sicherheit zum großen Teil vom Fach war. Ich möchte deshalb an dieser Stelle erst einmal kurz meinen imaginären Hut vor denen ziehen, die sehr gute Vorträge gehalten haben und sich den überaus kritischen Fragen auslieferten. 

„Buy less, choose well, make it last“ gekonnt ergänzt durch „be informed and think further than food and fashion“.

MÖON ist ein Laden für nachhaltige Mode. Erfreulicherweise achten sie in der Auswahl ihres Angebots nicht nur auf Zertifizierungen, sondern setzen sich mit den Labels, die sie anbieten intensiv auseinander. Folgende Kriterien möchten sie bei den Labels, die sie vertreten, erfüllt wissen: klassische Formen, die übersaisonal tragbar sind / nachhaltige Materialien / faire Arbeits- und Produktionsbedingungen. Mehrmals betont wurde, dass Vertrauen und Kommunikation ausschlaggebend für eine (gute) Zusammenarbeit ist. Probleme seien die geringe Auswahl an Modelabels und der hohe Preis, der bei Erfüllung der Kriterien schon nahezu zwingend entstehend muss. (Anm. REA) Als Empfehlung an die Konsumenten wurde Westwoods bekannte Aussage „Buy less, choose well, make it last“ gekonnt ergänzt durch „be informed and think further than food and fashion“. Auch in der Fragerunde überzeugten die Gründerinnen von MÖON absolut durch ehrliche und persönliche Antworten, die gerade in Sachen Kompetenz und Reflexion über ethische und nachhaltige Mode zwischen den Zeilen tief blicken ließen.

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Anschließend stellte Arianna Nicoletti knapp ihre drei großen Projekte für eine nachhaltigere Modegestaltung vor. Zum einen arbeitet sie an Aluc, einem Label das pre-consumer waste upcycelt, zum Anderen gründete sie zusammen mit anderen den Upcycling Fashion Store. Ihr neuestes Projekt im Zusammenschluss mit anderen Initiativen sind die Green Fashion Tours Berlin, die für Touristen und andere interessierte Teilnehmer, in einer Führung Konsumalternativen vorstellen. Eine kritische Nachfrage bezog sich auf das Upcycling und hinterfragte, ob Aluc nicht durch das Upcycling von pre-consumer waste, dass heißt, die Neugestaltung von Produktionsüberschüssen der großen Modeindustrie, ein Produkt der „schlechten“ Industrie“ sei. Das Label mache sich abhängig und sei angewiesen auf die Mode, die sie eigentlich überkommen wollen. Nicoletti antwortete darauf Upcycling sei zugegebenermaßen nicht die Lösung, sondern eine Zwischenlösung, die die aktuelle Situation verbessern könnte. Allerdings sei die Beschaffung schwer, da viele große Modefirmen Überschüsse nicht gerne offen legen und weitervertreiben oder verwerten wollten.

Abschließend gab es einen 1-Minute-Pitch, in dem unterschiedliche nachhaltige und ethische Projekte vorgestellt wurden. Elke von Still Garments und Olof von Sourcebook blieben mir persönlich im Gedächtnis, sicherlich da wir sie hier auch schon vorgestellt haben und persönlich kennen. Dies war leider der Teil der mir optimierungsbedürftig erschien, da man wenigstens ein Logo oder Bild bräuchte, um nach einem so gehaltvollen Abend noch etwas behalten zu können. Mir, obwohl das auch ein persönliches Problem sein könnte, ist es offen gesagt schwer gefallen die Namen zu verstehen bzw. zu behalten.
Anschließend löste sich die Veranstaltung in ein reges Networking auf.

Die nächste Sustainability Drinks Veranstaltung findet am 25. Februar statt und beschäftigt sich mit Energie bzw. der Energiewende. In dem Sinne erlaube ich mir noch einmal frei MÖON mit „be informed and think further than food and fashion“ zu zitieren.