Fashion in Cycles – ein Paradigmenwechsel

Fashion in Cycles – ein Paradigmenwechsel

Sie ist selbst Modedesignerin und Professorin an der Berliner Esmod-Modeschule im Master-Studiengang ‚Sustainability in Fashion‘. Friederike von Wedel-Parlow gab gestern einen umfassenden Überblick darüber, wie Mode in Zukunft hergestellt werden kann und/oder sollte – unter dem Titel „Fashion in Cycles – ein Paradigmenwechsel“ referierte sie im Rahmen der Vortragsreihe der Ethical Fashion Show Berlin in den Räumigkeiten des Postbahnhofs.

„Wir brauchen geschlossene Kreisläufe!“

 

fashion cylces_li edelkoort_mode ist tot

 

Zunächst stellt die junge Frau Fakten und Prognosen vor, die das Drama der aktuellen Fast-Fashion-Industrie in Zahlen beschreiben. Dabei erwähnt sie auch kritische Äußerungen, die jüngst die Medien in Aufruhr versetzten, von Modegrößen wie Li Edelkoort, die Stilikone der Trendforschung, und Designer Raf Simons, der kürzlich bewusst den Abgang bei Dior machte. Daraufhin fordert Von Wedel-Parlow: “ Wir brauchen geschlossene Kreisläufe!“

Nicht länger dürfe Mode linear produziert und konsumiert werden, sondern müsse recyclebar, biologisch abbaubar bzw. wiederverwendbar sein. Sie geht auf die verschiedenen Nachhaltigkeitsstrategien im Design sowie entlang der gesamten Textilkette ein und stellt Techniken zur Gewinnung von Recycling-Materialien und Konzepte nach dem Cradle-to-Cradle-Prinzip vor. In ihrer eindrucksvoll bebilderten Präsentation geht es vor allem um die Potenziale dieser Neuerungen, die wohlbemerkt erst noch ausgereift werden müssten. Wir sehen deshalb auch die Arbeiten neuer Hoffnungsträger, die an der Modeschule ausgebildet werden. Dort lernen die Design-Studenten die Idee des Zyklischen in ihre Projekte zu integrieren.

 

fashion cylces_kreislauf_innovation

fashion cylces_kreislauf_aesthetik
Weitere entscheidende Merkmale für die zukünftige Ausrichtung von Bekleidung seien Qualität, Innovation, Ästhetik und Kultur – Wahrung, Achtung, Wertschätzung. Diese „positive Haltung“, die einen „positiven Fußabdruck“ hinterließe, betitelt sie demnach auch als ‚POSITIVE FASHION‘. Dafür erscheinen der Schule sogar technische Materialien ein gerechtfertigtes Mittel zur Herstellung. Solange sortenreine Plastikprodukte erneut geschmolzen bzw. „depolimerisiert“ werden könnten, also chemisch recycelt werden könnten, sieht sie in ihnen viele Möglichkeiten zur freien Gestaltung für Designer.

 

Es wird auch richtig eingeräumt, dass wir so weit noch nicht wirklich sind. Aus Alt-macht-neue-Plastik büßt auch an Qualität ein. Aber daran wird offensichtlich getüfelt. Die Hoffnung ist, dass sogar Mischfasern irgendwann voneinander getrennt aufgelöst werden könnten, aber Friederike von Wedel-Parlow schätzt dem nachgehende Entwicklungen, wie das Worn Again Projekt, als frühestens in 10 Jahren industriell realisierbar ein.

Über Technologien und Monomaterialien hinaus gibt es auch Möglichkeiten für die gemeinsame Nutzung von Produkten, die viele neue Leasing-Business-Konzepte auf den Plan gerufen haben und viel stärker auf Kundenkommunikation setzen, was generell wichtig für die Verbreitung nachhaltiger Ideen sei. Zu nennen wären zum Beispiel Vigga – Babyausstattung im Abo oder die Online-Angebote von Kleiderei sowie Pret-à-Louer, die das kurzzeitige Leihen von Kleidungsstücken ermöglichen. Aber auch der Repair-Service von Patagonia oder der Second-Hand-Shop von Filippa K seien vorbildhafte Modelle.

Ich habe es selbst bei Materialrecherchen erlebt: komplett in Kreisläufen zu arbeiten, ist generell noch limitiert. Doch die Vorreiter-Beispiele, die hier von Von-Wedel-Parlow genannt wurden, versprechen einiges.
Wir werden also demnächst noch mehr über neue Patente, Fasern und Produktangebote wie Eco Intelligent® (von Victor Innovatex), Returnity® (von Dutch aWEARness), YKK NATULON® Reißverschlüsse, Infinito® (biologisch abbaubares Elasthan von Lauffenmühle), Tejin, Climatex® /Dualcycle (Webtechnologien von Gessner AG), Acronym®, Econyl®  (Recycelte Fischernetze), Regeneratfaser Re:newcell (Monocell/Lyocell Prozess), Dutch aWEARness (sustainable textiles for reincarnation), antimonfreie Materialien, Bionic Yarn/G-Star RAW Denim aus recyceltem Plastik aus den Ozeanen und Potenziale von PET-Recycling berichten und diese auch hinterfragen.
Außerdem werden wir aktuelle Studentenarbeiten und Designkonzepte vorstellen wie von Ina Budde (The Extended Closed Loop), Alice Beyer Schuchs Kampagne ‚Further – textile rebirth catalyst‘ zum Recycling alter Baumwolltextilien, Pumas Cradle-to-Cradle-Linie, Freitags Kollektionen aus F-ABRIC (Modal und Leinen), Trigema Change, Mayta Lara Leals Taschen von Abury, Cara Sumptons Studio für Reststoffe, Kollektionen aus Monomaterialien und ‚Design for Disassembly‘ – Produkte zum Demontieren.
Das wird eine Recherchearbeit, die sich sicher lohnt. Was für ein inspirierender Vortrag.

 

WEITERE VORTRÄGE DER ETHICAL FASHION SHOW JANUAR 2016

> „Textilbündnis – Erste Ergebnisse und nächste Schritte!“ mit Ministerialdirigent Dr. Bernhard Felmberg (Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung)

> Podiumsdiskussion: „Eco-Fashion auf der Fläche: Wie der konventionelle Modehandel Eco-Fashion in seine Sortimente integrieren kann“