Gedanken über Leinen

Gedanken über Leinen

Ich liebe Leinen! Seine ganz besondere Struktur, die leichte Unregelmäßigkeit, den leichten Glanz, den es oft bekommt – und auch das Geknitter! Seit ich mal auf den Begriff „Edelknitter“ gestoßen bin, kann ich auch besser in Worte fassen, warum mich diese Falten nicht stören.

Sie gehören schlicht zu dem, was das Wesen dieses Stoffs ausmacht. Leinen hat angenehme Trageeigenschaften, es wird nach einer Weile schön weich, es kann viel Feuchtigkeit aufnehmen und kann, wenn entsprechend gesponnen und gewebt, auch recht wasserabweisend sein. Dass es, mal mehr, mal weniger schnell knittert, gehört ganz einfach zum Paket. So wie feuchte Wolle eben ein bisschen nach Schaf riecht und Holz sich mit der Zeit verfärbt, eine Patina bekommt. Diese Eigenheiten, Gerüche, Oberflächen bereichern mein Leben, wenn ich mir die Zeit nehme, sie wirklich wahrzunehmen.

Und letztlich ist diese kleine Ode an Leinen ein Plädoyer für geschulte Wahrnehmung1 und Wertschätzung, die Bereitschaft, verschiedene Objekte, Gegebenheiten, auch Menschen, in ihrer Diversität, um ihrer selbst, für das, was sie aus- und einzigartig macht, zu schätzen.

 

…Außerdem ist Leinen, anders als Baumwolle, auch im mitteleuropäischen Klima kultivierbar, und benötigt dazu nur einen Bruchteil der Pestizide, die beim Baumwollanbau anfallen! Also auch deshalb eine tolle Faser für nachhaltige Mode, aber das ist ein anderes Thema.

PS: Wer Leinen eher pur und urtümlich mag, der möge sich den Instagramkanal Loveoflinen anschauen!

Leinen Top naturgefärbt Elke Fiebig Foto Erik Fischer

 

1Noch ein englischsprachiger Lesetipp bei Interesse zum Thema Wahrnehmung und Ästhetik im Alltäglichen: „Everyday Aesthetics“ von Yuriko Saito.

Fotos: Erik Fischer für Elke Fiebig, Semesterprojekt mit antikem Leinen aus den 20er Jahren (Top violett, Jacke ocker natürlich gefärbt)