KLEIDERFRAGEN – Mode und Kulturwissenschaft

KLEIDERFRAGEN – Mode und Kulturwissenschaft

Die Sprache der Mode, ihre vielfältigen Funktionen als Medium der Kommunikation und ihre Verflechtungen mit Diskursen der Wissenschaft und der Kunst sind Gegenstand dieses Bandes. Die hier versammelten Beiträge zeigen den aktuellen Stellenwert des interdiskursiven Kulturthemas Kleidermode in verschiedenen Disziplinen und seine vielgestaltigen Verflechtungen mit künstlerischen Positionen. Sie fragen nach den Zusammenhängen von Mode und (Post-)Moderne in Literatur, bildender Kunst und Film sowie nach deren gesellschaftlichen Implikationen. Dabei werden neue Perspektiven auf die Verhandlung von Mode entworfen, die als transkulturelles Phänomen zwischen Kunst und Kommerz sowie zwischen Museum und Markt angesiedelt ist.

Das Buch ist ausgesprochen empfehlenswert.

Herausgeber: Christa Gürtler, Eva Hausbacher
Titel: Kleiderfragen. Mode und Kulturwissenschaft
Verlag: transcript
Erscheinungsjahr: 2015
Schwerpunkte: Modetheorie, Kulturwissenschaft, Modesystem, unterschiedliche Ansätze

ZITATAUSZÜGE

Spätestens seit der letzten Jahrtausendwende scheint sich nun aber das Karussell der „modischen“ Bekleidung und deren Interpretationen so schnell zu drehen, dass es auf der Ebene der Phänomene zu einem Stillstand, allerdings zu einem rasenden (Paul Virilio), gekommen ist.

Die Vorstellung von der freien Disponierbarkeit in einer als abstrakt gedachten Zeit bedeutet jedoch keinen Zeitgewinn, sondern das Verschwinden von Zeit. (…) Dadurch konstituiert sich das für die Moderne charakteristische Bewusstsein von Zeit als knappen Gut. Dies findet nach Kurt Schmahl Ausdruck in einer „technisierten Lebensweise“, deren zivilisatorische Kennzeichen „Steigerung des Verhaltenstempos, zeitliche Präzisierung des Verhaltens, Internalisierung linearer Zeitstrukturen und  Verknappung der individuellen Zeiten“(1988:350) sind.

…Das heißt, dass sich die Bekleidungsmode deshalb so schnell ändert, weil „die Zeiten“ so schnelllebig sind.

Entkopplung von Bekleidungsfertigung und der Abgabe an den Kunden.

Weniger die spezifische Kollektion, sondern die Schau selbst wird bedeutsam für Branding und Vermarktung …

Die neuen Schauen sind deshalb in der Anlage der Aufführung Opern ähnlicher als Mustermessen. Die Vorführung der Bekleidung ist visuell (und nicht haptisch) und wird mit Musik begleitet, die u.a. Gespräche im Publikum eher verhindern oder übertönen als befördern soll. Sie ist als Szene oder abgeschlossener Akt strukturiert, immer häufiger neben den „Kostümen“  auch durch elaborierte Kulissen, Requisiten und Choreographien.

Modekommunikation und Bekleidungsproduktion differenzieren sich zu Systemen, deren Kopplung immer loser wird und die unterschiedliche Zeitlogiken ausbilden.