Sieg des Kapitals

Sieg des Kapitals

Der Sieg des Kapitals – Wie der Reichtum in die Welt kam: Die Geschichte von Wachstum, Geld und Krisen“ erklärt, wie der Kapitalismus wirklich funktioniert und räumt mit diversen Missverständnissen auf: Warum wir nicht in einer Marktwirtschaft leben, Kapital nicht das Gleiche wie Geld ist, uns keine Inflation droht und die Globalisierung keine Gefahr darstellt. Ein wichtiges Buch für alle, die die aktuellen Wirtschaftskrisen verstehen wollen.

Autor: Ulrike Hermann
Titel: Der Sieg des Kapitals –
Wie der Reichtum in die Welt kam: Die Geschichte von Wachstum, Geld und Krisen
Verlag: Piper
Erscheinungsjahr: 2015
Schwerpunkte: Politik, Kapitalismus, Geld, Wachstum, Gesellschaft

ZITATAUSZÜGE

„Der Begriff Kapitalismus hat den Vorteil, dass er präzise beschreibt, was die heutige Wirtschaftsform auszeichnet: Es geht um den Einsatz von Kapital mit dem Ziel, hinterher noch mehr Kapital zu besitzen, also einen Gewinn zu erzielen. Es handelt sich um einen Prozess, der exponentielles Wachstum erzeugt.

Genau dieser zentrale Zusammenhang geht bei dem Begriff Marktwirtschaft verloren, der in Deutschland so beliebt ist. Auf Märkten wird mit Äquivalenten gehandelt. Doch wie soll aus dem Tausch gleichwertiger Güter ein Prozess entstehen, der zu permanentem Wachstum führt?“

„Bis ins Detail hat der Kapitalismus das Leben der Menschen verändert, wofür der konservative Ökonom Joseph Schustere ein anschauliches Bild gefunden hat: ‚Königin Elisabeth I. besaß bereits Seidenstrümpfe. die kapitalistische Leistung besteht nicht darin, Königinnen mit noch mehr Seidenstrümpfen zu versorgen, sondern dass sie auch für Fabrikarbeiterinnen erschwinglich sind.‘ Selbst dieses Bild ist noch schief. Wir leben nicht wie frühere Könige – wir leben weitaus besser als sie. Die Schlösser waren damals zwar prächtig, aber es fehlte ihnen an Toiletten und sie waren schlecht beheizt. (…) Die sozialen Unterschiede sind allerdings geblieben. Zwar kann heute jede Frau Seidenstrümpfe tragen, aber der Abstand zwischen Königin und Putzfrau ist nicht kleiner geworden.“

„Die hohen Investitionskosten können nur Großkonzerne aufbringen, die dann eine marktbeherrschende Stellung einnehmen. Mit der traditionellen Vorstellung von Wettbewerb hat dies gar nichts mehr zu tun.
Selbst Ludwig Erhard konnte diese Neigung zur Konzentration nicht ignorieren. Etwas umständlich klagte er: ‚Die Entwicklung der modernen Technik förderte ihrerseits noch einmal gewisse Monopolisierungstendenzen, so dass ohne Zweifel die Gleichheit der Wettbewerbsbedingungen allenthalben störend beeinträchtigt wurde.‘“

„Auch rückblickend lässt sich bestätigen, dass steigender Wohlstand nicht unbedingt glücklicher macht: Seit 1975 hat sich die reale Wirtschaftsleistung in der Bundesrepublik ungefähr verdoppelt, aber die Zufriedenheit hat nicht zugenommen. (…) Wir leben in einer Überflussgesellschaft – und wissen mit dem Überfluss oft nichts anzufangen. Das deutsche Umweltministerium hat gezählt, wie viele Gegenstände die Bundesbürger im Schnitt besitzen: Es sind 10 000. Mindestens die Hälfte dieser Dinge wird nie benutzt, sondern verschmutzt die Umwelt. Zuerst bei der Herstellung, dann als Müll.
Zudem kostet der Konsum auch Zeit. Wie der Wachstumskritiker Nico Paech immer wieder betont, ist Zeit das einzig knappe Gut in der westlichen Welt.
(…) 
Der Kapitalismus funktioniert also anders, als die Werbung suggeriert: Es geht nicht um die Waren, die wir konsumieren. Die Produkte sind nur Hilfsmittel für einen höheren Zweck. Das Endziel sind die Arbeitsplätze. Wir arbeiten, um zu arbeiten. Denn nur wer Arbeit hat, hat Einkommen, Sicherheit und Anerkennung.“