C&A: Slow Grow & Fast Fashion

C&A: Slow Grow & Fast Fashion

Heute habe ich mir die Frage gestellt, ob das moderne, regelrecht überstürzte Existenzgründungsniveau, auf dem man nicht nur im Modebereich die Planung eines eigenen Unternehmens in kürzester Zeit angeht, überhaupt Hand und Fuß hat? Sollte man nicht lieber wachsam wachsen?

Bei Gründungsberatungen hört man öfter, dass man einen ausgeklügelten Business-Plan aufstellen müsse, der einem die Zukunft vorhersagt. Man solle sich gut präsentieren und verkaufen können, spezialisieren, wachsen, profitieren. Man brauche Kapital, das man sich bei Investoren holen kann, die an die Idee glauben. Das Gewimmel an gehypten Start-Ups, die genauso schnell untergehen können wie sie aufgezogen werden, verzerrt meiner Ansicht nach das Bild eines soliden und sinnvollen Geschäftsaufbaus.

Kürzlich sah ich mir eine Dokumention im ZDF über die lange Geschichte des geheimnisvollen Familienbetriebs der Modemarke C&A an, die sehr schön aufzeigte, wie ein Unternehmen sich immer wieder selbst rettete und sich nur über Jahrzehnte hinweg zu dem Riesenkonzern entwickeln konnte, der er heute ist, seit die Brüder Clemens Brenninkmeyer und August Brenninkmeyer im 19. Jahrhundert mit ihren Stoffverkäufen begannen.

Dieses Beispiel belegt sehr schön, dass nachhaltiges Wachstum Geduld fordert und sich an den Wünschen des Kunden orientiert. C&A war eines der ersten Häuser, die Konfektionswaren für die breite Masse der Konsumenten anboten und damit nicht nur die reicheren 5% der Bevölkerung ausstatteten.

>>> Link zu ‚Die C&A-Story‘ in der ZDF-Mediathek (verfügbar bis 11.06.18)

Leider artet die kommerzielle Modebranche mittlerweise ins Groteske aus und bringt diverse Fast-Fashion-Riesen hervor, deren Geschäftsführer sich viel stärker ihrer moralischen Verantwortung gegenüber Mensch und Umwelt stellen sollten – egal wie schnell oder langsam sie sich entwickeln.