Haute Couture der Natur im Tal des Omo

Haute Couture der Natur im Tal des Omo

Der Bildband ‚Kleider der Natur‘ zeigt beeindruckende Fotografien der Surma und Mursi – zwei afrikanische Stämme, die im Tal des Omo-Flusses, an den weitgehend unberührten Grenzen Äthiopiens, Kenias und des Sudans leben und eine besondere Körperschmuckpraxis pflegen. Täglich dekorieren und bemalen sie sich auf kunstvollste Weise und schöpfen dabei aus dem Vorhandenem, dem unendlichen Reichtum der Natur – im Einklang mit ihrer Umgebung. Sie erfinden sich stets neu in ihrer individuellen Kreativität, sie zelebrieren die Schönheit des Schaffens, spielerisch leicht und unbefangen.

Absolut faszinierende Ästhetik.

 

Herausgeber: Hans Silvester
Titel: Kleider der Natur. Die Kunst des Körperschmucks im Tal des Omo
Verlag: Reich Verlag / terra magica
Erscheinungsjahr: 2008
Schwerpunkte: Kulturwissenschaft, Ethnologie, Kunsthandwerk, natürliche Ressourcen

 

ZITATAUSZÜGE

Eine unerschöpfliche Garderobe. … Hier lädt die Vielfalt von Pflanzen zu allen möglichen fantasievollen Verzierungen ein. So wie wir uns einen Hut aufsetzen, schmücken sich dich Surma und die Mursi mit einem Grasbüschel. Wie wir einen Schal oder eine Schärpe umbinden, dekorieren sie sich mit einem Bananenblatt, mit einem Geflecht aus Zweigen oder Blumen. … das Ganze hat für uns (Menschen aus dem Westen) etwas Mühseliges, während für sie jede Geste spontan, genau und vor allem richtig ist… Sie sind so mit der Natur verbunden, dass sie instinktiv und mit unglaublicher Geschwindigkeit handeln. … Das Resultat wirkt niemals gekünstelt, aber genauso wenig erscheint es schlicht.

Der Körper als Territorium. Eine derartige Ausformung des Körperschmucks, ihr Bezug zum räumlichen Umfeld und die Welt der sie umgebenden Gegenstände stehen zweifellos in Zusammenhang mit dem Nomadentum. … Die Nomaden bewahren sich immer die Möglichkeit, alles hinter sich zu lassen und weiterzuziehen. Abgesehen von den Herden – ihrem einzig wahren Reichtum -, begrenzt sich ihr Hab und Gut auf alles, was leicht auf dem Rücken oder den Schultern zu tragen ist.

Der fehlende Spiegel. Die Körperbemalungen zeugen von vollkommener Freiheit. Im Übrigen gibt es keine Wiederholungen, keine Systematik. Sie sind immer von erstaunlicher Frische. Dieses Können, diese Kunst, den eigenen Körper auf so vielfältige Weise zu verzieren, wird sehr früh gelernt… Das Fehlen eines Spiegels, eines Gegenstands, der bis vor Kurzem bei diesen Stämmen unbekannt war, trägt zweifellos zu dieser absoluten Freiheit der Körperbemalung bei. … Das Spiegelbild, das narzisstische Bild im mythischen Sinne, existiert nicht.

Die Flüchtigkeit des Moments. Wenn man diese jungen Leute nach dem Sinn der wahrhaft großartigen, ungewöhnlichen Zeichnungen fragt, der in unseren Augen die moderne Kunst hervorbringt, können sie uns nicht antworten. Sie finden ihre Bemalung einfach schön…

 

Einblicke in die Fotografien erhaltet ihr hier auf dem Blog Messynessychic.