Was heißt hier denn „slow“?

Was heißt hier denn „slow“?

Was ist das eigentlich, „slow fashion“? In letzter Zeit stieß ich öfter über verschiedene als slow fashion vermarktete Kleidungsstücke, die mich vage grummelig zurückließen, ohne dass ich genau in Worte fassen konnte, was mich daran eigentlich störte. Schließlich handelt es sich dabei um einen nicht geschützten Begriff, und außerdem einen recht jungen, und wenn er verbreitet und mit Leben gefüllt wird, finde ich das eine gute Sache.
Eine gute und ziemlich umfangreiche „Definition“ für slow fashion ist meiner Meinung nach diese hier, auf die sich auch UTA’s Beitrag über slow fashion beruft, deren Ursprung im Netz scheinbar leider nicht mehr online ist, erarbeitet im Rahmen einer wissenschaftlichen Arbeit. Wichtigster Punkt hierbei: den Prozess ganzheitlich betrachten, außerdem Verlangsamung des „rat race“ der Mode, Diversität, Respekt, Menschlichkeit und einiges mehr. Natürlich kann man auch da noch etwas hinzufügen oder umformulieren wollen, und wie die Verfasser selbst sagten (so las ich es in jener jetzt online nicht mehr nachvollziehbaren Quelle), geht es nicht darum, alle dieser Aspekte pedantisch abzuhaken.

Und dann stieß ich bei Fashion Fika auf einen kleinen spannenden Artikel mit dem Titel „Faire Mode und der Widerstand im Postfordismus“, der gleich verschiedene Gedanken in mir lostrat. Zum Beispiel konnte ich auf einmal fassen, was für mich persönlich an „slow fashion“ so wichtig ist: Nämlich eine gewisse „Widerständigkeit“ gegenüber der Logik industrieller Produktion. Alles was dieser Logik gehorcht, kann für mich (andere dürfen mir hier gern widersprechen) nicht slow fashion sein. Ein Produkt kann natürlich trotzdem „bio“ sein, indem die verarbeiteten Materialien entsprechend gewählt werden, und fair, wenn die Mitarbeiter_innen in der Produktion unter anständigen Bedingungen arbeiten… Aber was ist daran „slow“, wenn alle Arbeitsschritte in einer herkömmlichen Produktionsstätte stattfinden, alle Materialien maschinell produziert, die Konfektion arbeitsteilig, in der diverse Näher_innen an einem Teil jeweils nur einen Arbeitsschritt produzieren? slow fashion, das heißt für mich ganz banal wörtlich auch eine gewisse Langsamkeit! Das muss nicht heißen, alles handgewebt, nur mit Nadel und Faden vernäht (ein wunderbares Beispiel für die Poesie im Textil bei maximaler Langsamkeit ist Amy Revier), aber zum Beispiel eine eher manufakturelle Anfertigung, oder einen Anteil von handgearbeiteten Details, oder auch eine ganz klassische Maßanfertigung, oder, oder…
Das schließt am Ende auch eine Langsamkeit im Konsum ein, denn diese Art der Herstellung hat natürlich ihren Preis. Dafür auch eine ganz andere Wertigkeit, oft auch Langlebigkeit. Und letztlich geht Nachhaltigkeit ja erst los, wenn ein Kleidungsstück in jemandes Kleiderschrank gewandert ist… Das ist also meine eigene Sicht darauf. Seh ich das zu engstirnig? Aber genauso wie greenwashing keine schöne Sache ist, ist es auch mit „slow-washing“. Letztlich führt es dazu, dass dieser Begriff, der für eine ganze Philosophie und so viele verschiedene Ideen steht, trotzdem sinnentleert wird. Und wenn ein Kleidungsstück bereits nachhaltig und fair ist, warum das Kind dann nicht einfach beim Namen nennen?