Greenpeace: ‚Time Out‘ für Fast Fashion

Greenpeace: ‚Time Out‘ für Fast Fashion

Der Begriff der ‚Fast Fashion‘ – der schnelllebigen Mode, die in in immer kürzeren Abständen produziert und verbraucht wird, zu immer größeren Mengen und günstigeren Preisen – ist längst etabliert in Kreisen bewusster Konsumenten. Die meisten allerdings wissen damit nichts anzufangen oder haben noch nicht einmal davon gehört, wie ich jüngst feststellte. Umso dringlicher wirkt der neueste Aufruf von Greenpeace zu einer Pause für gehetzte Shopper und für die gedankenlos dahin sprintende Modeindustrie, die sich auf einer imaginären Zielgeraden im Endspurt selbst zu überholen scheint. An den Händen zerrt sie alles, was sich nicht wehren kann, gen Endstation Totalkollaps – um es mal krass poetisch auszudrücken. Welchen Trends rennen wir da hinterher und zu welchem Preis?

Im Zuge des in den USA und hierzulande gefeierten Black Fridays – offizieller Shoppingtag der ungebändigten Art – veröffentlichte Greenpeace jüngst in einem digitalen Booklet neueste Zahlen zum Anstieg der Produktion und des Konsums von Kleidung weltweit seit dem Jahr 2000 – quasi Geburtsstunde der Fast Fashion.

/

anstieg mode-produktion und konsum/

Modeunternehmen haben schon in den 80er zunehmend auf das Gaspedal gedrückt, um den neuesten Chic zu verkaufen. Das heutige Phänomen der Fast Fashion entstand mit den größten Modemarken überhaupt: Zara und H&M, die seit 2000 explosionsartig expandiert haben, während sie uns einen Style nach dem anderen um die Ohren schlagen. Mit der Fast Fashion ändert sich die Art und Weise wie wir uns kleiden, wie wir über Mode denken und wie wir unsere Kleidungsstücke behandeln. Wir besitzen mehr von dem was wir nicht tragen. Eine durchschnittliche Person kauft 60% mehr Teile und behält sie nur noch halb so lange. Der Lebenszyklus von Produkten hat sich zwischen 1992 und 2002 um 50% verkürzt. Die Produktion verdoppelte sich von 2000 bis 2014. Verkäufe verdoppelten sich zwischen 2002 und 2015. Prognose steigend, wenn man bedenkt, dass Schwellenländer wie Indien und China erwartungsgemäß nachziehen.

Die Auswirkungen dieser Entwicklungen auf unsere Umwelt, Arbeitsbedingungen und qualitativen Standards sind besorgniserregend. Ressourcenverschwendung. Giftige Chemikalien. Treibhausgas-Emissionen. Berge von Müll. Und so weiter.

/

fast fashion_umweltverschmutzung_probleme/

Nicht mal der Secondhand-Kleider-Handel ist eine wirkliche Option, wenn niemand mehr alt-und-billig re-konsumieren will, laut Alan Wheeler von der britischen Textile Recycling Association:

„If clothing quality continues to fall, demand from the international market drops even further and the closed-loop recycling technology doesn’t come through, we might have a secondhand clothing crisis. And then there wouldn’t be any place at all to take your cheap, old clothes.“

Das heißt unter anderem auch, dass momentan noch keine chemische Recyclingtechnologie kommerziell anwendbar ist – weder der preisliche Aufwand noch die vergleichsweise schlechte Qualität recyceltern Fasern würde dies rechtfertigen. Eine große Herausforderung dabei ist, dass Mischtextilien, die aus unterschiedlichen Rohstoffen bestehen – z.B. ein klassischer Mix aus Polyester und Baumwolle – schwer getrennt und neu verarbeitet werden können. Das Beste wäre also immer noch, Einhalt zu gewähren. Zum Schluss wird Maxine Bédat von Zady zitiert:

„Consumers are reaching their limit. While the pleasure of cheap fashion is neurologically very real, consumers are equally experiencing the mental exhaustion from the accumulation of all of this cheap clothing. We have a broken system and a consumer that is hungry for change.“

Es bleibt dabei: Buy less, choose well, make the right decisions, repair, cherish, share!

/

/

PRESSETEXT & BILDER: Greenpeace Fact Sheet ‚Time Out for Fast Fashion‘, 2016