Zeit Konferenz Mode&Stil 2017 – 1.Teil

Zeit Konferenz Mode&Stil 2017 – 1.Teil

„IT’S THE FASHION, STUPID!“ war der prägnante, wie gleichsam unergründliche, Slogan der Zeit Konferenz „Mode&Stil“ am 16.1. im Kronprinzenpalais Berlin.

Und Tillmann Prüfer hat einmal mehr nicht enttäuscht. Seine Keynote-Rede begann mit der Rose, die als Einladung zur „Vêtements“ Show diente, und drehte sich weiterhin rein um die Relevanz von Sitzplätzen und zu welcher Show man, als Journalist einer renommierten Zeitung, nun eingeladen wird oder nicht. Ehrlich gesagt, und bei allem nötigen Respekt vor jemandem, der sein Handwerk gelernt hat und sicher nicht ohne Talent in diese Stellung gekommen ist, war die Rede inhaltsschwach und nicht immer sympathisch. Beispielsweise als Prüfer nochmal detailliert und womöglich versucht locker, nahbar und offen darauf eingegangen ist, wie er einem Kollegen Salz in die nicht gekommene Einladung reibt und ausdrücklich betont, dass er, als einer von wenigen, ein Ticket erhalten habe. Möglichst wortwörtlich wieder gegeben: „Erfolg feiert man, indem man die Kollegen damit demütigt.“ Entschuldigen Sie die Polemik, Herr Prüfer, aber herzlichen Dank für diesen qualifizierten Einblick in die Modeszene.  Allerdings bringt Prüfer letztendlich überraschend ehrlich und reflektiert das mögliche Hauptproblem der Mode auf den Punkt.

„Der Klüngel.“ Das Elitäre. [Er. (?)]
Prüfer fragt ob es jetzt, wo die Digitalisierung und das Teilen von allem Unwichtigen und Wichtigen die Form und Regel geworden ist und Gestaltung und Mode bereits jeden Teilaspekt des Lebens beeinflusst, wirklich zukunftsweisend ist, wenn sich Mode im immer gleichen elitären Kreisen abspielt.

Ist Mode zukunftsfähig, wenn sie versucht über Abgrenzung zu funktionieren?

Und dieses Fazit finde ich, besonders in Anbetracht seiner Rede, beeindruckend aufrichtig, vielleicht sogar selbstkritisch. Prüfer, der selber und teilweise auch verständlich sogenannte Blogger und Influencer als ungelernte Eindringlinge wahrnimmt, scheint doch zu verstehen, dass Mode vielleicht nur durch das Aufbrechen der verkrusteten Strukturen den nächsten Schritt gehen kann. Abgrenzung und Elitarismus ist wahrscheinlich nicht die Antwort, die es aktuell braucht. Mode muss die vielseitigen Verbindungen suchen und holistisch und global gedacht werden. In Verbindung mit Wirtschaft. Kultur. Theater. Couture. Ethik. Politik. Emanzipation.

Und der Auseinandersetzung mit all diesen verbindenden Themen – dieser riesigen Aufgabe wurde die Zeit Konferenz „Mode&Stil“, in der kurzen Zeit, auch tatsächlich gerecht.

In den Gesprächen:
Anum Bashir, Influencer und Blogger aus Dubai (Emanzipation)
Christ Dercon, ehem. Direktor der Tate Gallery und designierter Intendant d. Volksbühne (Kultur)
Anja Cronberg, Founder and Editor in Chief „Vestoj Journal“ (Kultur & Modesoziologie)
Livia Firth, Founder and Creative Director „Eco Age“ (Ethik)
Pascal Morand, Federation francaise de la couture Paris (Couture)
Floriane de Saint Pierre, talent scout and headhunter (Talent, Wirtschaft und Zukunft)
Christian Fleske, Exterior Design SEAT
William Fan, erfolgreicher Jungdesigner
Pierpaolo Ferrari, Fotograf und Designer
Ingo Witts, Hugo Boss

Alles weitere im 2. Teil….