REA an UTA

Wir befragen uns zunächst gegenseitig. UTA antwortet REA bezüglich ihrer Motivation AETHIC zu gründen:

Was bedeutet Mode für dich?

Mode ist ein ambivalentes Phänomen und bewegt sich in Produktgestalt irgendwo zwischen purer Kreation, natürlicher und sozialer Notwendigkeit und ökonomischem und marketingstrategischem Interesse.

Als Designerin teste und reize ich gerne diese Grenzen aus. Ich hinterfrage den Gestaltungs- und Produktionsprozess von Kleidung und damit auch die Bedeutung von Mode für die Gesellschaft, für jeden Einzelnen, für unsere Umwelt.

Für mich persönlich stellt sie einerseits die Schönheit und textile Formvollendung schöpferischer Schaffenskraft am dreidimensionalen Körper dar, menschlichen wie naturgegebenen Ursprungs, und steht im Gegensatz dazu gleichermaßen für eine Industrie, die sich selbst erschöpft.

Warum hast du dich für Modedesign entschieden?

Mit dem Studium suchte ich vor allem nach Mitteln mich kreativ auszudrücken in verschiedensten Material-, Form- und Farbgestalten und im Einklang mit dem menschlichen Körper, der uns allen am nächsten ist. Aus psychologischer Sicht fand ich auch immer schon spannend unser Bekleidungsverhalten als kulturell geprägte Individuen zu beobachten – wie wir uns mit Kleidern identifizieren, wie wir mit ihnen kommunizieren wer wir sind, wer wir sein wollen oder austesten, wer wir sein könnten und wozu wir uns zugehörig fühlen. Dabei spielte Selbstreflexion für mich wohl eine anziehende Rolle.

Nachhaltigkeit und Mode ist gerade ein aktuelles Thema. Was hältst du von dem allgemeinen Diskurs?

Ich finde ihn sehr wichtig. Er kommt etwas spät und sollte nicht nur aktuell als Trend behandelt werden, sondern auch in Zukunft eine zentrale Stellung beim Entwerfen und Produzieren und Konsumieren von Kleidung einnehmen. Das braucht Zeit, der Wandel des Systems kommt bekanntermaßen nicht über Nacht und es ist eigentlich schon seit den 70ern durch den Club of Rome bekannt, dass wir die Ressourcen unserer Erde langfristig ausbeuten.

Solche Themen und die eines ethischen Umgangs mit Mitmenschen, Tieren und Umwelt müssten auch großen profitorientierten Unternehmern tiefgreifend bewusst machen, dass ‘Greenwashing’ keine Lösung ist… Einfacher gesagt als getan.

Warum hast du dich entschieden das Journal zu gründen?

Genau weil die globale Wertschöpfungskette so komplex und geheimnisvoll ist und es für Konsumenten, die entscheidend über Angebot und Nachfrage bestimmen, fast unmöglich ist, tatsächlich nachzuvollziehen, woher ihre Kleidung kommt und wie sie gemacht ist.

Als Designerin möchte ich einige Zusammenhänge und eigene Rechercheergebnisse für andere veranschaulichen. Anders als bei den meisten grünen Modeblogs und ein paar in Verruf geratenen Ökomodelabels soll dabei aber auch die Frage nach der Ästhetik ‘guten Modedesigns’ thematisch nicht zu kurz kommen.

Was sind die Ziele die du mit dem Journal verfolgst?

Das allgemeine Ziel ist, viele neugierige Leser zu gewinnen, mehr Bewusstsein für modische Nachhaltigkeit zu erzeugen und dabei einen kritischen Blick auf verschleierte Halbwahrheiten einzunehmen, die bereits im Umlauf sind.

Da ich ein großes Potenzial für positive Veränderungen im Entwurfsprozess sehe, erhoffe ich mir durch die Veröffentlichung wertvoller Arbeiten diverser Designer – ob großer Marken oder kleiner Studienprojekte – Netzwerke zu schaffen, von der auch die Industrie nachhaltig profitieren kann. Wenn dieser Plan aufgeht, würde ich mich freuen irgendwann unsere wunderbare limitierte Printausgabe mit einer Editorialstrecke in den Händen zu halten.

Wer ist deiner Meinung nach ein Vorbild für nachhaltige Modegestaltung?

Was sowohl ästhetische als auch ethische Maßstäbe angeht, sehe ich klar Honest by. von Bruno Pieters als Vorreiter der vielen Facetten von nachhaltiger und vor allem transparenter Modedesignpraxis. Aber auch hier verschmelzen meist nicht alle theoretischen Möglichkeiten zu einem konsequenten ultimativen Produkt. Da sind Designer zum Teil einfach an aktuelle Zulieferer und wirtschaftliche Bedingungen gebunden.

Was denkst du, sind die größten Probleme, die sich in der derzeitigen Modeindustrie ergeben?

Der enorme Einsatz von Chemikalien bei der Erzeugung von Textilien, beim Färben, Bleichen und Gerben; die daraus rührende Verschmutzung der Umwelt, insbesondere von großen Gewässern sowie gesundheitliche Schäden für Menschen. Dazu die Ausbeutung ihrer Arbeitskraft unter dem existenzsichernden Lohn in Produktionsländern außerhalb Europas. Ganz zu schweigen von der alles andere als artgerechten Tierhaltung in der Leder-, Woll- und Fellproduktion. Konsum an sich als Weg zum Glück. Berge von Abfall. Fehlende Wertschätzung. Die Liste ist lang.

Siehst du einen Silberstreif am Horizont?

Ich glaube daran, dass jeder etwas zur Änderung des Standards, zu einem positiven strukturellen Wandel beitragen kann, wenn man aufgeklärt ist und über die jeweiligen Alternativen verfügt. Die Frage ist, ob der einzelne Mensch will. Und die muss dann jeder für sich beantworten.

Ich sehe also meine eigenen Taten, die Schwierigkeiten und viele Menschen, die sich nicht dem Fatalismus hingeben. Ich sehe einen guten Ansatz.