Wann ist Mode?

Wann ist Mode?

“Wann ist Mode? Strukturen, Strategien und Innovationen” ist eine sehr lesenswerte Auseinandersetzung  mit der Frage, wann, wie und wo Mode eigentlich entsteht. Anfangs geht es um die Unterscheidung von Innovation und Invention, sowie Strategien der Mode und des Designs.  Im Folgenden behandelt Loschek den interdisziplinären Umgang mit Mode, wie bei Mode und Kunst oder Mode und Technik. Am praktischen Beispiel erläutert sie anschaulich ihre Thesen zu Innovationen und Strategien der Mode(designer).

ANMERKUNG

“Wann ist Mode?” ist ein Grundlagenwerk für alle Modedesigner und die, die sich für Modetheorie interessieren und ist sehr empfehlenswert.
Speziell bei diesem Buch ist es mir extrem schwer gefallen, es in einigen treffenden Zitaten zusammen zu fassen, da es wirklich sehr gehaltvoll ist. Das Buch erklärt kompakt, verständlich und sehr geistreich das System Mode und ist ein entscheidendes Grundlagenwerk der Modetheorie.

Autor: Ingrid Loschek
Titel: Wann ist Mode? Strukturen, Strategien und Innovationen
Verlag: Reimer Kulturwissenschaften
Erscheinungsjahr: 2007
Schwerpunkte: Modetheorie, Kulturwissenschaft, Modesystem, Modestrategien

ZITATAUSZÜGE

„Auf der einen Seite ist Kleidung sehr konkret, ein Produkt, das uns ständig zu umgeben scheint, in dem wir uns ständig aufhalten. Auf der anderen Seite ist Mode äußerst abstrakt, da sie sozial ausgehandelt wird. Es sind die erwähnten sozialen Konstrukte, die Kleidung zu Mode machen. Mode braucht Orte und Medien, um ihre Adressaten zu erreichen. (…) Wie bei allen Produkten kann auch Kleidung ohne Kommunikation ihren Markt nicht erreichen. Sie nutzt Zeichensysteme zur Wiedererkennbarkeit und als gesellschaftliche Referenz.“

„Inventionen umfassen neue Ideen vor der Phase der Vermarktung.“

„‚Wenn wir das Alte bestehen lassen, wehrt es sich gewaltig gegen das Neue.‘ Diese als klassisch und heute noch anerkannte Theorie der schöpferischen Zerstörung gilt als Kernaussage der Innovationstheorie die 1911 von dem Volkswirtschaftler Joseph Alois Schumpeter begründet wurde. Schustere appellierte an die schöpferische Zerstörung als die Fähigkeit des erfolgreichen durchsetzen von Innovationen gegen sachliche, soziale oder/und psychische Widerstände. Als Ökonom und Sozialwissenschaftler sah Schumpeter Innovationen nur durch Zusammenarbeit der einzelnen Sparten in einem Unternehmen als möglich.“

„Das Neue lässt sich immer nur im Verhältnis zum kanonisierten Alten bestimmen.“

„Ab Mitte des 19. Jahrhunderts aber stand Mode im Spannungsverhältnis von Massen Produktion und Kommerzialisierung einerseits und von Haute Couture andererseits. Mode wurde Teil der Industrialisierung. Ihr kreativer und handwerklicher Wert wurde in einen elitären Sonderstatus gedrängt.“

„Das Neue unterscheidet sich vom bloß Andersartigen, indem es eine neue Interpretation schafft, die nicht im kulturellen Gedächtnis, das heißt in der Modegeschichte bereits existiert. Dagegen ist ein Kleid, das sich nur in Farbe und/oder Material von einem anderen unterscheidet, ohne eine kulturelle, das heißt modische Bedeutsamkeit, nur anders: es ist different zu oder selbstähnlich mit hunderten anderen Kleidern, aber keineswegs neu im Sinne von innovativ.“