Mexiko #1: Vielfalt von Natur und Kultur / Das Erbe der Handarbeit

Mexiko #1: Vielfalt von Natur und Kultur / Das Erbe der Handarbeit

Ein Reisebericht von UTA.

5 Wochen war ich vor Kurzem noch in Mexiko unterwegs. Ich bin relativ unvorbereitet gestartet und habe mich auf das ungewohnte Abenteuer der spontanen Reiseplanung eingelassen. Außer meinem Flugticket, einem dem Spanischen mächtigen Partner, einem Rucksack mit dem Nötigsten, ein wenig Geld, dem Vertrauen in den Lauf des Lebens und ein paar Ortsnamen, die ich in Recherchen zu mexikanischen Textilien notierte, hatte ich auch eine Ahnung, dass ich in diesem relativ riesigen Land, das 6x so groß ist wie Deutschland, einiges über Stoffe und lokales Kunsthandwerk erforschen können würde – was sich auch bestätigte. Aber ich habe lange nicht alles gesehen, was es auf endlosen Streifzügen durch atemberaubende Landschaften und in der Begegnung mit den sympathisch-bescheidenen Mexikanern zu entdecken gibt. Und doch erstmal ausreichend. Es war perfekt.

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Nach Anflug auf Cancun reisten wir fortan meist in kleinen wie großen Bussen und voll gestopften Taxis; übernachteten im Zelt, im Hostel, bei Freunden oder gönnten uns eine bungalowartige Cabana – am Strand, im Dschungel, in den Bergen, in der Wüste oder eben in der Stadt. Das war grob unsere Route mit einigen Hotspots:

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Kurzinfo: Mexiko gilt als Schwellenland auf dem Weg zur Industrienation. Es birgt große Potenziale für den wirtschaftlichen Aufschwung, doch hat im Widerspruch dazu mit Drogenkartellen, poltischer Gewalt, Korruption und der vor allem im Süden vorherrschenden Armut und ungleichen Verteilung von Wohlstand zu kämpfen.

Das habe ich auch zum Teil zu spüren bekommen. Nicht so hart und drastisch wie man es von sogenannten Entwicklungsländern erwarten würde, aber diese Reise war in vielerlei Hinsicht überwältigend. Es ist schon absurd, dass ich mit dem Geld, das man in Europa erwirtschaftet, in anderen Ländern Vieles viel günstiger erstehen kann. Die Arbeit, die in der Masse von Produkten und Dienstleistungen steckt, müsste doch eigentlich einen allerseits äquivalenten Wert besitzen. Vor allem in Zeiten der Globalisierung, wo wir in einem weltweiten Netzwerk des Handels in gegenseitiger Abhängigkeit ko-existieren. Aber der Finanzmarkt ist so eine Sache.

Ich zog es vor, mich mit der extremen sozialen Diversität dieses reichen Landes zu beschäftigen – nicht nur reich an Ressourcen, auch reich an Kultur, reich an Geschichte. Von den Ruinen der Mayas und Azteken, über diverse indigene Völker, deren Bräuche vereinzelt bis heute überlebten, bis hin zu Mexiko’s Suche nach Identität seit der Kolonialzeit war ich überwältigt von der Schönheit der Vielfalt, für die der Einfluss des modernen U.S.-amerikanischen Lebens im Nachbarland regelrecht eine Bedrohung darstellt.

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Mir begegneten diverse Ausprägungen von köstlichem Streetfood, zum Beispiel Tacos und Smoothies aller Art, aber auch Stickereien, die vor allem Blusen, die Huipils, und Rocksäume zieren. Genauso sind handgewebte Schals namens Rebozos, Tischläufer, Teppiche, Decken sowie Arbeiten aus Metall, die Kunst des Makramé in Form von Hängematten, handbemalte Masken und Skulpturen aus Holz, Figuren aus Keramik und Pappmaché überall auf Märkten zu finden. Die spirituelle Kunst inklusive Perlenschmuck der Huicholen und die Verarbeitung von Leder in Chiapas zu wunderbar schlichten Taschen oder verwoben in Sandalen aller Art – die Huaraches – haben es mir angetan.

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Leider musste ich oft feststellen, dass traditionelle Herstellungsmethoden nicht mehr konsequent praktiziert werden und es insbesondere im Fall von Textilien den verarbeiteten Materialien an Finesse mangelt. Ganz einfach aufgrund der billigen industriellen Alternativen. Das sind zum Beispiel Acryl und Polyester, die Baumwolle ablösen. Das sind chemisch erzeugte Farben, die alles durchdringen. Darüber hinaus wird der Qualitätsverlust in Kauf genommen, weil ‘Touristen mit Geld’ nicht zwangsläufig bereit sind, dieses für eine hochwertige Verarbeitung auszugeben. In Mexiko ist man eher auf Schnäppchenjagd. Einen ‘guten Deal’ zu machen ist verlockend. Leider weiß man zu wenig davon, was einem für mexikanische Verhältnisse fairen Lohn entspricht und das kann in jeder Region anders sein – eine unangenehme Diskrepanz – dabei gilt für die Mexikaner vielleicht einfach das Motto: “Bezahle, was du zahlen kannst.”

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Die farbenfrohe Gestaltung der Produkte und vor allem auch der Häuserwände Mexikos ist auf jeden Fall erhellend – fast ein Zeichen von Optimismus, von Stärke und Lebensfreude. Obwohl viele Menschen, die in den Straßen ihre Kunst und Lebensmittel verkaufen, im Vergleich zu westlichen Standards ärmlicher leben, scheint mir, sie haben doch alles was man wirklich braucht. Unter anderem Sonne, Naturverbundenheit und Gelassenheit – tranquillo!

In folgenden Beiträgen werde ich noch detaillierter von diesen und anderen spannenden Dingen berichten – bleibt dran!

Illustration des Titelbildes: Maria Koch
Karte & Fotos: UTA