China – von Billigproduktion zu mehr Konsum?

China – von Billigproduktion zu mehr Konsum?
Im abendlichen 3sat Programm MAKRO wurde gerade China’s wirtschaftlicher Umbruch beleuchtet – die größte Volkswirtschaft “schwächelt” demnach was die Illusion des unbegrenzten Wirtschaftswachstums angeht und verweilt nicht länger an der Spitze des weltweiten Exports von billigsten Billigprodukten – wozu auch Fast-Fashion Modeartikel gehören. Fabriken ziehen nach Afrika und in andere ärmere Länder, wo der geringe Lohn die Konkurrenz außer Gefecht setzt. Das sorgt natürlich für strukturelle Probleme. Wie auf dem jüngsten Volkskongress verkündet, soll unter der kommunistischen Herrschaft des Präsidenten Xi Jinping nun bis 2030 der Fokus auf mehr Konsum und Hightech gelegt (oder eher erzwungen) werden. Eigentlich sind Reformen zur Verbesserung der chinesischen Menschenrechtslage lange überfällig, aber daran wird sich wohl leider so schnell nichts ändern.
Insofern ein interessanter Beitrag, dennoch ist die deutsche Perspektive hierbei Hauptsorge in der Debatte um die Zukunft Chinas, wenn MAKRO im Programmtext auf der Website betont fragt:
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Wohin bewegt sich Chinas Wirtschaft? Peking ist dabei, sein Geschäftsmodell zu ändern. (…)
Doch China schwächelt als Lokomotive der Weltwirtschaft. Das könnte auch Deutschland treffen. Das China-Geschäft ist für BMW, Daimler und vor allem Volkswagen heute fast existenziell. Aber auch viele deutsche Mittelständler leben vom Wachstum im Reich der Mitte. (…)
Wie groß ist die Abhängigkeit der Welt und Deutschlands vom Wachstum in China? Hängt unser zukünftiger Wohlstand auch davon ab, ob China den Übergang in ein neues Wirtschaftszeitalter schafft?

Ich schnappe noch wirtschaftliche Floskeln auf wie “China bleibt ein (globaler) Hoffnungsmarkt, denn mit dem Wohlstand steigt auch der Konsum…” und das “Wachstum global ist geschwächt” – Letzteres höre ich Mikko Huotari vom Berliner Mercator Institute for China Studies im Gespräch mit Moderatorin Eva Schmidt sagen.
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Wieviel mehr wollen wir denn noch und zu welchem Preis? Ohne Konsum würde unser Wirtschaftssystem völlig abrupt zusammen brechen, aber wie wäre es denn erstmal mit Stabilität statt Wachstum? Ganz zu schweigen davon, dass der wissenschaftliche Club of Rome schon 1972 warnend auf die Grenzen des Wachstums und seine umweltschädlichen Folgen hinwies. Und statt das Bruttoinlandsprodukt (BIP) als entscheidenden Parameter für das Wohlbefinden der Bevölkerung eines Landes zu nehmen, würde ich es bevorzugen, wir würden in einem vorbildhaften Deutschland den Übergang zum Bruttonationalglück (BNG) bzw. dem Happy Planet Index (HPI) oder Human Development Index (HDI) einleiten.
Eine Utopie? Ein Land allein würde es vielleicht nicht schaffen – dafür sorgt der globale Welthandel für zu viele und komplexe Abhängigkeitsstrukturen. Dennoch, es gibt so viele inspirierende Alternativen und Chancen für eine zukünftige Post-Wachstums-Gesellschaft. Weniger destruktiv sind unter anderem das Beispiel lokaler Tauschgeschäfte, die Idee von der Degrowth-Bewegung und der (vorerst gescheiterte) Versuch des kleinen Königreichs Bhutan im Himalaya, eine auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Politik (mit Erfolg) zu etablieren.
Ich schlafe jetzt darüber.
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Infos zur Sendung: www.3sat.de/makro
Wiederholung Sonntag, 3. April 2016, 6.15 Uhr