FASHION TECH Berlin 2016

FASHION TECH Berlin 2016

Juni 2016 und es ist wieder mal Berliner Fashion Week. Dazu laufen nicht nur Models auf Laufstegen, sondern auch die Messen Ethical Fashion Show & Green Showroom, Premium und viele mehr ab, bei denen wir bekannte wie unbekannte Labels entdecken konnten – die ihr wiederum bald in unserem Schaufenster bewundern dürft. Ebenfalls weckte erneut das Programm der FASHION TECH – The Conference on the Future of Fashion großes Interesse. Mode und Technologie verbinden sich unter ihrem Motto als ultimative gestalterische Einheit für die Bekleidung von morgen. Diese erkennt man beispielsweise an mit 3D-Druckern erzeugten dekorativen Formen oder wie hier zur Ausstellung an ästhetisch-leuchtenden, teils beweglichen, mit LED’s ausgerüsteten modischen Gestalten von Clara Daguin, Jasna Rok und anderen Newcomern:

FASHION TECH_CLARA DAGUINFASHION TECH_JASNA ROK

REA und ich sehen das etwas kritisch, wenn es sicher auch sinnvolle Entwicklungen gibt bzw. Blinken oder Bewegungen über das Dekorative hinaus eine interaktive Funktion erfüllen können. Während der Beiträge zum Thema ‘Wearables & Design’ haben wir die Premium Messe nach Labels durchforstet, danach schafften wir es am Nachmittag zur Vortragsreihe ‘E-Commerce & The Future of Retail’, um uns über die aktuellen Tendenzen des Modevertriebs bzw. die neuen Möglichkeiten des Onlineverkaufs zu informieren. Eingeladen wurden u.a. Vertreter einer zukunftsweisenden Start-Up-Szene, die zu wissen scheinen, was der virtuelle Konsument braucht und die mit innovativen digitalen Dienstleistungen zur Stelle stehen.

fashion tech_e-commerce_future of retailIn der Zusammenfassung ging es darum, wie vor allem die jüngere Generation aktiv im Netz einkauft und somit als Zielgruppe gilt und die Nachfrage generiert für ein schnelleres, effizienteres Shoppingerlebnis.

Genevieve Kunst vom Lifestyle Media Publisher ‘Popsugar’ und der Onlineshop-Datenbank ‘Shopstyle’ führt an, dass der wichtigste Aspekt beim Online-Einkauf die Lieferzeit darstellt: innerhalb des gleichen Tages wünschen sich Kunden, laut einer Umfrage, die Lieferung ihrer Bestellung nach Hause. Ein unkomplizierter Bestellvorgang mittels ‘Universal Checkout’ für Teile aus verschiedenen Shops folgt direkt an zweiter Stelle. Darüber hinaus seien personifizierte Empfehlungen und ‘Authentizität’ nicht viel weniger entscheidend – der Konsument will da abgeholt werden, wo er seine Spuren hinterlassen hat. Wohlgemerkt nutzt sie das Wort Authentitzität in dem Sinne, die Sprache des Kunden zu sprechen.

Auch die Herren von Wide Eyes Technologies, Combyne und Picalike betonen die Wichtigkeit vom Service für mobile Endgeräte, anwenderfreundliche Apps, die möglichst viele große Modeanbieter zusammen führen, und vereinfachte Anwendungen für digitale Styling-Spielereien oder das effektive Suchen und Finden von Lieblingslooks in Form eines direkt vermittelten Online-Warenangebots.

Irgendeiner der Sprecher wirft ein, dass “in times of fast fashion” auch das Einkaufen im Netz schnell abgewickelt werden können muss. Da schrecke ich zusammen – als ob ein schnellerer Kauf auch zu einem unbedachten zweiten Klick auf den Bestellbutton führe. Hauptsächlich ginge es aber darum, Zeit zu gewinnen, für andere alltägliche Dinge – denn Shopping hat keinen lebenswichtigen Vorrang und soll nicht mit lästigen Erfahrungen verknüpft werden. Guter Service ist alles – und Online-Bestellungen sind oft praktischer als manch vergeblicher Gang durch die Stadt.

Leider ging der letzte Vortrag von Sébastien Fabre etwas unter, da der Konferenzraum geräuschvoll von Ungeduldigen oder später Eintretenden durchzogen wurde und meine Aufmerksamkeit nachließ. Das Angebot seines ‘Vestiaire Collective’-Online-Unternehmens gefällt mir gut: hier wird selten getragene Luxusmode aus zweiter Hand von privaten Mitgliedern verkauft. Er schien sich zu rechtfertigen, warum dieser Ansatz und der integrierte vielfältige Service den anderen Anbietern von Neuwaren alles andere als schade – meiner Meinung nach nicht nötig, denn schlichtweg ein sinnvolles Business.

vestiaire collective_fashion tech